Gedenken an einen bedeutenden Hohenemser

Kultur / 10.10.2019 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Schubertiade-Finale war dem 1619 verstorbenen Fürsterzbischof Markus Sittikus gewidmet.

hohenems Nach dem glanzvollen Schubertiade-Debüt des Kammerchors Feldkirch mit Rossinis „Petit Messe solennelle“ vor gut einem Monat in Schwarzenberg wollte sich der Erfolg beim Schlusskonzert des heurigen Festivals am Mittwoch nicht im gleichen Ausmaß einstellen. Es ging diesmal um das Gedenken an den Widmungsträger des Saales, Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems, der auf den Tag genau vor 400 Jahren in Salzburg verstorben ist.

Graf Markus Sittikus IV. wurde 1574 auf Burg Hohenems geboren, absolvierte seine Studien u. a. in Mailand, Rom und Ingolstadt und wurde 1612 zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. Dort errichtete er Schloss Hellbrunn, legte den Grundstein zum Neubau des Domes und ließ in Salzburg die ersten Opern außerhalb Italiens aufführen. Eine hübsche Idee, dem bedeutenden und kunstsinnigen Hohenemser Vorfahren nun festivalgemäß mit Schuberts geistlicher Musik gerecht zu werden, auch wenn diese erst zirka 200 Jahre nach dessen Tod entstanden ist.

Schwierigkeitsgrad unterschätzt

Es mag an der Beengtheit des Saales mit einem prallvoll gefüllten Bühnenraum und entsprechend wenig sängerfreundlicher Akustik gelegen sein oder an den teils extrem hohen chormusikalischen Ansprüchen des Programms – jedenfalls will der sonst so souverän auftretende Kammerchor Feldkirch an diesem Abend einfach nicht recht auf Touren kommen. Die 30 Sängerinnen und Sänger kleben an den Noten, wirken damit unfrei, manches macht den Eindruck eines Probenmankos mit kleinen Mängeln an Präzision und Intonation, die den Gesamteindruck trüben. So vermag einen das betrachtende „Glaube, Hoffnung und Liebe“ in seiner Oberflächlichkeit auch nicht wirklich zu berühren, der Frauenchor bewährt sich noch relativ sicher im vierstimmigen 23. Psalm „Gott ist mein Hirt“, dagegen verliert der Männerchor a-cappella beim „Gesang der Geister über den Wassern“ stellenweise den Kampf gegen eine für Schubert ganz untypische, vertrackte Harmonik. Der 92. Psalm, den Schubert im Auftrag des aus Hohenems stammenden Kantors Salomon Sulzer vertonte, ist dann wieder auf besserem Geleise, getragen auch von der mächtigen Solo-Bassstimme. Der Großteil der Gesänge wird vom versierten Andreas Frese am Flügel begleitet. Benjamin Lack, der stets so umsichtige Planer und Führer durch die vielen anspruchsvollen Auftritte des Kammerchors Feldkirch, hat diese Aufgabe in ihrem Schwierigkeitsgrad und gerade bei der Schubertiade vielleicht doch etwas unterschätzt.

Die vier internationalen Gesangssolisten, die den Abend mit dem berühmten innigen „Gebet“ nach Fouqué eröffnen, sind zunächst einmal eines – nämlich laut, opernhaft und stimmprotzig, was Schuberts geistlicher Musik ganz und gar nicht bekommt. Erst mit verschiedenen Soloeinsätzen im Lauf des Abends und vor allem bei der abschließenden Messe nehmen sich die deutsche Sopranistin Marie-Sophie Pollak, die kroatische Altistin Diana Haller, der irische Tenor Dean Power und der deutsche Bass David Steffens etwas zurück und bringen damit ihre wahren stimmlichen Qualitäten überzeugender zum Ausdruck. Auch der Chor findet in einem versöhnlichen Finale mit Streichern der Dommusik und Johannes Hämmerle an der Continuo-Orgel in der schlichten Volkstümlichkeit von Schuberts Messe Nr. 4 in C-Dur zu seinen wahren Qualitäten, entwickelt den typisch geschlossenen Chorklang und macht damit einiges von dem gut, was im ersten Teil an Wünschen offengeblieben ist. Dem Publikum hat es jedenfalls sehr gefallen.