Kunst, die wenigstens nicht ganz ausgelöscht wurde

Kultur / 10.10.2019 • 22:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Uwe Jäntsch war in Vorarlberg mit einer Arbeit am Projekt „Hor(s)t der Kunst“ in der ehemaligen Adlerwarte am Pfänder beteiligt.  VN/Steurer
Uwe Jäntsch war in Vorarlberg mit einer Arbeit am Projekt „Hor(s)t der Kunst“ in der ehemaligen Adlerwarte am Pfänder beteiligt.  VN/Steurer

Künstler Uwe Jäntsch präsentiert ein umfangreiches Dokument zu seinen Projekten zum Städtezerfall.

Christa Dietrich

Bregenz Warum gibt es hier kein Bild von seinen Projekten und Aktionen in Palermo? Uwe Jäntsch erklärte seinen Aufenthalt in Sizilien schon vor mehr als einem Jahr für beendet. In Vorarlberg war der in Bregenz aufgewachsene Künstler (geb. 1970) zuletzt im Rahmen der Ausstellung „Hor(s)t der Kunst“ in der aufgelassenen Adlerwarte am Pfänder präsent, um etwa das Eingeschlossensein zu thematisieren. Aber nicht nur das. So wie er halbzerfallene Stätten im Zentrum von Palermo mit seiner unvergleichlichen Handschrift, das heißt, mit meist floraler Ornamentik zum Erblühen brachte, verpasste er vor einigen Monaten einem zum Abriss freigegebenen Haus am Fuß der Bregenzer Oberstadt eine Angstblüte. Dem Gebäude hat sie nichts gebracht, es wurde hinweggefegt, wie so vieles, das einem smarten Büro- oder Wohnhaus weichen musste, aber der Fokus vieler Menschen hatte sich noch einmal auf Mauern gerichtet, die Geschichten zu erzählen haben.

Wurde die Gentrifizierung nicht als großes Problem in jeglichen urbanen Räumen – egal, ob es sich um Metropolen oder Kleinstädte handelt – erkannt? Regionalpolitiker, Städteplaner und Architekten sind sich diesbezüglich ziemlich einig. Bewirkt Kunst somit konkret etwas?

In Palermo sind die Spuren von Uwe Jäntsch, der dort jahrelang arbeitete, zumindest noch nicht ausgelöscht. Ein Viertel wurde belebt, Lokale eröffnet, die Einnahmen sicherten. Die Mode-Szene hat sich allerdings an der Ästhetik gelabt, Shabby Chic war angesagt, da musste Jäntsch einen Stopp ausrufen. Das druckfrische, nahezu 300 Seiten starke Werkdokument mit zahlreichen Abbildungen und Texten in Italienisch, Englisch und Deutsch korrigiert auch Angaben, dass Jäntsch dabei mit der Justiz in Konflikt geraten sei. Ein Bühnenstück wird in Aussicht gestellt. Keine Frage, das Team Uwe Jäntsch (Kunst) und Costanza Lanza di Scalea (Organisation) hat Italien zwar vorerst verlassen, ist aber nicht abgetaucht. Ein Glück für jene, die an engagierter bildender Kunst, Performance und Literatur teilhaben wollen.

Lesung von Uwe Jäntsch, 11. Oktober, 19.30 Uhr, Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz.