„Ein packender Erzähler“

Kultur / 11.10.2019 • 21:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jón Svensson ist am 16. Oktober 1944 gestorben.TAs/National Library of iceland
Jón Svensson ist am 16. Oktober 1944 gestorben.TAs/National Library of iceland

Wie ein Isländer in die Feldkircher Stella Matutina kam.

Feldkirch „Schon sein erster Roman ,Nonni‘, erschienen 1913, fand reißenden Absatz. Insgesamt schrieb er zwölf sogenannte Nonni-Bücher, das heißt Romane, in denen sein Alter Ego Nonni eine zentrale Rolle spielt. Nonni ist dabei der Kosename für Jón, den ihm seine Mutter gegeben hatte“, erzählt Philipp Schöbi über den aus Island stammenden Jesuitenpater Jón Svensson (1857-1944), dem ein Abend am Saumarkt gewidmet ist.

 

Was machte die Bücher so erfolgreich?

Schöbi Sie handeln vorwiegend von den erlebnisreichen Kinder- und Jugendjahren des Autors. Was genau sie so erfolgreich machte, ist schwer zu sagen. Müsste ich sie mit zwei Adjektiven umschreiben, schienen mir „spannend und bezaubernd“ jedenfalls recht treffend zu sein. 1988 hat das ZDF den Roman „Nonni und Manni“ in einer sechsteiligen Weihnachts-Fernsehserie verfilmt. Sie ist nach wie vor auf DVD erhältlich. Die Erstausgabe dieses Buches fällt übrigens in die Zeit, als Jón Svensson an der Stella Matutina weilte. In seinen Feldkircher Jahren 1914-1919 hat der Autor auch noch zwei weitere Nonni-Bücher veröffentlicht.

 

Wie kam Jón Svensson nach Feldkirch an die Stella Matutina?

Schöbi Im Spätsommer 1914 wurde er von seinem Orden vom holländischen Exaten nach Feldkirch geschickt. In jener Zeit war er auf der Suche nach einem Ort, an dem er sich fortan vorwiegend dem ­Schreiben in deutscher Sprache widmen konnte. Das Deutsche Reich, in dem damals noch immer der Dunst des „Jesuitengesetzes“ aus Bismarcks Zeit in der Luft hing, war dazu ungeeignet. So wurde vorübergehend Österreich zu seiner Heimat.

 

Gibt es noch Quellenmaterial, das Auskunft gibt über Svenssons Leben in Feldkirch?

Schöbi Nebst seiner schriftstellerischen Tätigkeit in Feldkirch gab er den Zöglingen der Stella auch sogenannte Exerzitien. Darüber verfasste er zuhanden seines Ordens einen Aufsatz, aus dem sehr viel Aufschlussreiches über die allgemeinen Abläufe und insbesondere sein Leben und Wirken an der Stella hervorgeht. Eine wahre Goldgrube in Sachen Quellenmaterial ist die Biografie „Pater Jón Sveinsson. Nonni“ (2012/2017) von Gunnar F. Guðmundsson. Sie brachte endlich Licht in die Feldkircher Zeit des Autors, insbesondere auch in dessen persönliches Befinden und Gemütsleben im Kreis seiner jesuitischen Mitbrüder an der Stella Matutina.

 

Wann hat Svensson Feldkirch verlassen und was ist danach denn passiert?

Schöbi Nach Abschaffung des Jesuitengesetzes 1917 und nach dem Kriegsende 1918 verließ Jón Svensson im Frühjahr 1919 die Stella in Richtung Münster in Westfalen. Sein Lebensweg sollte ihn aber noch zu unzähligen weiteren Stationen führen, von welchen aus er zu ausgedehnten Vortragsreisen aufbrach. Berühmt als ein packender Erzähler soll er nach seinem 50. Lebensjahr weltweit noch rund 5000 Vorträge gehalten haben. Gestorben ist er in Köln. VN

16. Oktober, 20.15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch: Jón Svensson, Vortrag und Lesung von Philipp Schöbi.