Nicht nur für ein heiteres Splish-Splash

Kultur / 11.10.2019 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aus der Serie der Arbeiten von Christine Weber. galerie/AG
Aus der Serie der Arbeiten von Christine Weber. galerie/AG

In der Galerie Lisi Hämmerle befassen sich Künstler mit dem Nachkriegs­phänomen Pool.

Bregenz Palmen, ein Bungalow, davor ein Swimmingpool mit Sprungbrett. Niemand ist zu sehen, aber das aufspritzende Wasser verrät, dass gerade jemand ins blaue Nass gesprungen sein muss. David Hockneys ikonisches Gemälde „A Bigger Splash“ von 1967, ambivalentes Sinnbild für Wohlstand und Überdruss der amerikanischen Nachkriegs-Genussgesellschaft, dient als Referenz für die fünf Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung „Splash Back“ in der Galerie Lisi Hämmerle. Mit Bettina Allamoda, Alekos Hofstetter, Richard Schmalöer, Christine Weber und Ina Weber kehren nicht nur einige aus früheren Präsentationen bekannte Namen nach Bregenz zurück. Die Schau ist nach „Ultra Moderne“ auch die zweite Kooperation mit der Berliner Laura Mars Gallery.

Schwimmen in Geld

Die „Startblöcke“ von Ina Weber stehen zwar am Ende des Raumes, man kann aber trotzdem gleich kopfvoran in die Ausstellung springen. Zumindest gedanklich, denn ihr „Neutra-Pool“ ist eine entzückende Beton-Miniatur. Größenverschiebung und die dadurch erzeugte Irritation ist ein probates Mittel der Künstlerin, wenn sie Architekturzeugnisse, die einst Aufbruch signalisierten, in Betonskulpturen überträgt. „Schwimmen in Geld“ heißt Richard Schmalöers Fotoreihe, in der er seit den frühen 1990ern heute großteils nicht mehr existente Schwimmbäder der Jahre 1950 bis 1970 dokumentiert. Seine Arbeiten, die bei aller Schönheit von Bild und Motiv auch Verfall und Vergänglichkeit implizieren, sind beispielhaft für das Ausstellungsthema: Am Phänomen Swimmingpool, der als assoziatives Sammelbecken für die beteiligten Kunstschaffenden fungiert, wird der Relevanz (auch der Architektur) der Nachkriegsmoderne nachgespürt.

Keine Wellen, aber Falten

Trotz der blauschimmernden Pools und Oberflächen hinterlassen die Mischtechniken auf Papier und Karton von Alekos Hofstetter einen düsteren, ja fast unheimlichen Eindruck. Der Mitbegründer der Künstlergruppe Bewegung Nurr zeichnet markante Bauten der Nachkriegsmoderne zu utopischen Kultstätten um und setzt sie in abstrakte Zusammenhänge. Keine Wellen, aber Falten schlagen die türkis-blauen textilen Wandarbeiten von Bettina Allamoda, die sich mit Sichtbarkeit, aber auch der Wechselwirkung von körperlicher und medialer Erfahrung auseinandersetzt.

Aus Filmszenen zitiert dagegen Christine Weber, wenn sie in ihrer Malerei die Darstellung von Modernität im Film untersucht. „Not drunk“ lautet der Titel eines ihrer Gemälde, in dem es auf einer Party am Pool feucht-fröhlich zur Sache geht. Statussymbol, das gute Leben am und um den Swimmingpool, abtauchen: Der Pool steht nicht nur für ein heiteres Splish-Splash, sondern führt in den unterschiedlichen Werken der Berliner im von dieser Stadt nun doch nicht so weit entfernten Bregenz zu einem Nachdenken über die Vielschichtigkeit und Brüchigkeit des Begriffs der Moderne.

Die Ausstellung ist in der Galerie Lisi Hämmerle, Anton-Schneider-Straße 4a in Bregenz bis 8. November geöffnet, Mittwoch bis Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr.