Mit einer dicken Portion junger Kreativität

Kultur / 12.10.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Marie Spaemann prägt heuer das Alpenarte-Festival, das in der aktuellen Reihe viel Eigenes kreiert hat.  JU

Überraschende inhaltliche Wandlung mit einer Jugendkulturschiene beim Festival Alpenarte.

SCHWARZENBERG Jetzt ist das Alpenarte-Festival gerade drei Jahre alt und in der sechsten Saison und bekommt bereits den ersten radikalen inhaltlichen Relaunch verpasst. Ohne das bisher überwiegende hochkarätige Klassikprogramm als Fundament über Bord zu werfen, öffnet sich die Reihe in einer mit Ethno-Elementen, Folkmusic, Weltmusik und Jazz deutlich verjüngten Schiene auf ebensolchem Level mehr als bisher dem jungen Publikum. Davon konnte sich beim Eröffnungskonzert im gut gefüllten Parkett des Angelika-Kauffmann-Saales eine am Schluss begeisterte Zuhörerschar überzeugen.

Impulsgeber dieser inhaltlich aufregenden Neuausrichtung ist wieder einmal jener Mann, der überhaupt die Idee zur Gründung dieses besonderen Festivals mit seinen halbjährlich für Programm und Besetzung verantwortlichen jungen Musikern als Intendanten in Residence hatte: der Liechtensteiner Musikmanager Dražen Domjanić. Er hat im Vorjahr seine Funktion als künstlerischer Leiter offiziell an den deutschen Klarinettisten Sebastian Manz übergeben, nominierte aber in dieser Saison noch die Cellistin und Singer/Songwriterin Marie Spaemann (31) als Intendantin, eine Wienerin mit afrikanischen Wurzeln. Sie versammelte insgesamt neun junge Profimusiker um sich.

Appetit machen

Mit ihrem über die klassische Musikausbildung weit hinausreichenden künstlerischen Horizont mit eigenen bluesigen Songs zu Cellobegleitung, fiel die Wahl von Marie Spaemann auch auf zwei exzellente Vollblutmusikanten aus ihrem engeren Kreis. Zur Topüberraschung wurde der in Wien lebende US-amerikanische Bariton Bryan Benner, der bekannte Schubertlieder in eigenen englischen Übersetzungen mit Gitarrenbegleitung als Folksongs unserer Zeit präsentiert. Das bekommt diesen Liedern auch gar nicht schlecht, weil der ausgebildete Opernsänger sie mit toller Folkstimme und unplugged authentisch macht, in seiner fantastischen Gitarrenbegleitung respektvoll mehr rhythmische als harmonische Erweiterungen einbringt und ihnen damit faszinierend neue Zusammenhänge und Sichtweisen eröffnet. Es entbehrt ja nicht einer gewissen Pikanterie, dass diese „Frischzellenkur“, wie Benner das nennt, gerade hier passiert, am Ort der Schubertiade. Ebenso zu faszinieren vermag mit Christian Bakanic jener burgenländische Komponist und Akkordeonist, der seit seinem Auftritt im Pausenfilm des Neujahrskonzerts zu den Topacts in diesem Bereich zählt. Allein seine auf Grundlagen der Salzburger Volksmusik entstandenen „Schleinigel“ im verqueren Fünfviertel-, bzw. Siebenvierteltakt sind musikalische Gustostückchen, ebenso seine wunderbar jazzige „Valse Rouge“ gemeinsam mit dem Ensemble. Es ist eine dicke Portion an junger Kreativität und spontan wirkenden, aber penibel vorbereiteten Stücken, die in verschiedenen Besetzungen Appetit machen sollen auf das Folgende. Das 20. Jahrhundert ist mit Poulenc und Francaix vertreten, die Romantik mit Dvorák und Webers Klarinettenquintett, in dem Sebastian Manz als exzellenter Solist brilliert. Spaemann stellt sich mit einem Song und als versierte Cellistin selbst in diese Reihe, erläutert auch den Hintergrund dieses „Programms der Freude“, mit dem sie aus dem Nebeneinander ein Miteinander machen will. Wie zum Beweis sitzen die jeweils nicht beschäftigten Musiker auf der Bühne im Halbkreis um die Musizierenden. Fritz Jurmann

Weitere Konzerte bei Alpenarte, Angelika-Kauffmann-Saal Schwarzenberg: 12. Oktober Experimentalkonzert, 13. Oktober Abschlusskonzert, Beginn jeweils 17 Uhr.