Das Wunder Maria Bach erfahrbar gemacht

Kultur / 18.10.2019 • 18:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit zwei umfangreichen Kammermusikwerken und einer Auswahl ihrer Lieder wurde Maria Bach zur viel bejubelten Entdeckung des Konzertes in der Reihe Musik in der Pforte. JU
Mit zwei umfangreichen Kammermusikwerken und einer Auswahl ihrer Lieder wurde Maria Bach zur viel bejubelten Entdeckung des Konzertes in der Reihe Musik in der Pforte. JU

Klaus Christa heftete sich an die Spuren der Komponistin.

FELDKIRCH, Hittisau Es gibt seit Bestehen der Musik in der Pforte kaum ein Programm, in dem Kurator Klaus Christa nicht sein Faible für komponierende Frauen der Vergangenheit eingebracht hätte, deren Tun nach damaligen gesellschaftlichen Normen freilich als unschicklich galt und oft verachtet wurde. Eine von ihnen hat es ihm zuletzt ganz besonders angetan, die Wienerin Maria Bach (1896-1978), die ihn posthum mit ihrer hochkarätigen und selbststimmten Musik aus der Zwischenkriegszeit in ihren Bann gezogen hat. Mit zwei umfangreichen Kammermusikwerken und einer Auswahl ihrer Lieder wurde das „Wunder Maria Bach“ schon bei der Generalprobe zur viel bejubelten Entdeckung des dritten Abokonzerts.

Maria Bach hatte ihr Talent von ihrer Mutter geerbt, einer Profi-Sopranistin. Im gutbürgerlichen Elternhaus gab es jeden Sonntag Hauskonzerte, denen prominente Musiker wie Brahms beiwohnten. Es ist unglaublich, welche Schaffenskraft sie in diesem behüteten Umfeld entwickelte, ungeachtet aller äußeren negativen Einflüsse und Vorzeichen der Zeit. Das erste große Kammermusikwerk schrieb die damals 30-Jährige 1927 mit ihrem bereits vor einem Jahr hier aufgeführten Wolga-Quintett für Klavierquintett. In einer Epoche, in der es bereits einen Schönberg mit seiner Zwölftonmusik gab, ist ihre Musik lautmalerisch und von ungetrübter romantischer Schönheit, manchmal sogar mit einem Hang zur Süßlichkeit. Trotzdem ist es ein spannendes, gar nicht antiquiert wirkendes Zeitdokument voll Fantasie und Gespür für differenzierte Wirkungen, die vor allem in den Variationen über das „Wolgalied“ zum Ausdruck kommen, das man heute als „Lied der Wolgaschlepper“ aus der russischen Folklore bezeichnet.

Motivische Arbeit

Ganz anders dann das neun Jahre später komponierte Streichquintett Maria Bachs, von dem am Beginn des Abends laut Christa die vermutliche Uraufführung zu erleben ist, nachdem die Herstellung des Notenmaterials überhaupt ermöglicht wurde. Da blickt Bach nun bereits deutlich über den Tellerrand hinaus, schafft mit spätromantischen und impressionistischen Einflüssen in knalligen Farben ein Stück Zeitgeschichte und bleibt ohne jedes Epigonentum doch stets sich selbst treu. Allein das Thema des Variationensatzes zwischen irischer Volksmusik und dorischer Kirchentonart beweist ihre üppige Fantasie, die Kraft ihrer motivischen Arbeit gibt dem Ganzen eine klare Struktur. Die von Christa zusammengestellte internationale Besetzung aus hier langjährig tätigen Musikern unter Führung von Primaria Christine Busch entlockt dem Werk größte Leidenschaft, Temperament und Sentiment.

Von ihrer anderen Seite als sorgsame Liedkomponistin lernt man Maria Bach anhand von fünf Beispielen kennen, die der Chor Vocale Neuburg unter Oskar Egle eigens einstudiert hat. Bach legt hier größten Wert auf Ausdruck und Textdeutung, macht es den engagierten Sängern aber mit harmonischen Spitzfindigkeiten nicht eben leicht – kein Problem letztlich für die routinierte Gemeinschaft von Vocale Neuburg und ihren souveränen Dirigenten. Zum Vergleich erklingen dabei noch drei Lieder von Bachs Komponisten-Kollegin Johanna Müller-Hermann (1868-941), die von fröhlicher Romantik eines „Freischütz“-Webers bis zu einem als regelrechte komplexe Fuge gearbeiteten Trinklied reichen.

Klaus Christa widmete sich erneut komponierenden Frauen. victor roman
Klaus Christa widmete sich erneut komponierenden Frauen. victor roman

Weitere Aufführung: 19. Oktober, 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau (ohne Chor) Rundfunkwiedergabe: 4. November, 21.05 Uhr, Radio Vorarlberg