Ehemänner, Liebhaber und ein Bestseller

Kultur / 18.10.2019 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vom Fischen und von der LiebeBenoite Groult,Ullstein, 400 Seiten

Vom Fischen und von der Liebe

Benoite Groult,

Ullstein, 400 Seiten

Benoîte Groult schreibt über die Liebe und über das Altern.

Tagebuch Eine Pariser Intellektuelle und ein bretonischer Fischer haben sich nicht viel zu sagen, aber tollen Sex: „Salz auf unserer Haut“ wurde Ende der 1980er-Jahre zum weltweiten Bestseller. Nun sind die Tagebücher der Autorin erschienen. Benoite Groult wusste, wovon sie schrieb. Ein Sommerhaus in Irland, ein Liebhaber, ein Ehemann und eine Schriftstellerin, die das Fischen liebt: Das ist die Konstellation in den Aufzeichnungen von Benoîte Groult (1920-2016), die nun auf Deutsch erschienen sind. Die französische Feministin schrieb ihr Leben lang Tagebuch. Die Passagen zu ihren Urlauben im irischen Ferienhaus hat eine ihrer Töchter zusammengestellt – herausgekommen sind 400 Seiten Sommerfrische, die sich „Vom Fischen und von der Liebe“ nennen und die Zeit von 1977 bis 2003 abdecken. „Ehebruch mit dem Segen der eigenen Kinder – ist das nicht schön?“, schreibt Benoîte Groult einmal. Da hat sie bereits seit einer Weile ihre alte Liebschaft zu Kurt wieder aufgenommen, einem amerikanischen Piloten, dessen Heiratsantrag sie als junge Frau abgelehnt hat. Stattdessen heiratete sie 1951 den französischen Schriftsteller Paul Guimard. Zuvor war sie mit einem Medizinstudenten zusammen, der früh starb, danach vier Jahre mit einem Journalisten, mit dem sie zwei Töchter bekam. Auch mit Guimard hat sie eine Tochter.

Die Liebe ihres Lebens sollte aber Pilot Kurt bleiben, der Ende der Siebziger wieder in Groults Leben auftaucht. Die Journalistin ist Ende 50, die wiederaufgeflammte Leidenschaft tut ihr gut. „Das Gefühl, wie wahnsinnig geliebt zu werden, wiegt sämtliche Verjüngungskuren auf“, schreibt sie. Kurt – selbst verheiratet und fast 70 – besucht seine Geliebte nun bis ins hohe Alter jeden Sommer und inspiriert Groult zu ihrem Weltbestseller „Salz auf unserer Haut“, den sie in dieser Zeit schreibt. Aus Kurt wird der bretonische Fischer Gauvin, Groult selbst zur Pariser Intellektuellen George. Wie autobiografisch der Roman ist, gibt sie in ihrem Tagebüchern immer wieder zu – und freut sich, wenn es einer nicht merkt. Oder wahrhaben will.

Ehemann Paul erträgt die Ménage-à-trois aus dem fernen Paris mal besser, mal schlechter. Am Ende verlässt sie aber weder Paul, noch gibt sie Kurt eine dauerhafte Perspektive. Unterhaltsam an Groults Aufzeichnungen ist vor allem, wie sie auf die beiden Männer blickt. Paul kommt dabei oft schlechter weg als Kurt. Ihr amerikanischer Lover dagegen sagt am Telefon schon „I love you“, wenn er den Hörer abnimmt. Groult schwärmt: „Nie unterläuft ihm eine unangenehme oder grobe Geste. Das ist mindestens so viel wert wie Intelligenz.“ Kurt stirbt schließlich 2001, Paul 2004, Benoîte Groult 2016 – im Alter von 96. Das Buch ist nicht nur eines über die Liebe, sondern auch über das Altern. Berührend ist, wenn Groult beschreibt, wie die Kräfte nachlassen. Im Fall von ihr und Paul betrifft das vor allem das Fischen. Das körperlich anstrengende Hobby zur See ist schließlich der Grund, warum sie sich überhaupt das Ferienhaus in Irland gekauft haben. „Um hier zu überleben, muss man jung oder verrückt oder besoffen oder bekloppt sein – oder alles auf einmal!“ Trotzdem kommt viel Besuch – einmal gar der französische Staatspräsident François Mitterand, für den Ehemann Paul zeitweise als Berater arbeitet.