„Es finden sich überall Brücken und Stege“

Kultur / 18.10.2019 • 18:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Elisabeth Amann: „Das Werk fasst meine Bücher zusammen.“ mint studio
Elisabeth Amann: „Das Werk fasst meine Bücher zusammen.“ mint studio

Feldkirch Sie hat in zahlreichen Schulen gelesen, schreibend Erkenntnis erfahren, in einem Drama ein Stück deutsch-österreichische Geschichte aufgearbeitet. Nun legt die 83-jährige, in Feldkirch lebende Schriftstellerin Elisabeth Amann ein neues Buch vor.

 

Sie stellen sich schonungslos der eigenen Vergangenheit. Was hat Sie dazu veranlasst?

Amann Der Grund, das Buch „Frühere Hände“ zu schreiben, war, dass ich diese 26 Ehejahre mit einem alkoholkranken Mann im wahrsten Sinn des Wortes niederschreiben musste, denn andernfalls wäre ich verrückt geworden. Das Schreiben war damit verbunden, dass ich plötzlich wusste, nicht nur eine gute Mutter gewesen zu sein, die viele Jahre täglich 18 Stunden gearbeitet hat, die aber auch ihre Kinder nicht mehr wahrgenommen hat.

 

Wie ging Ihre Familie damit um?

Amann Ich habe mit jedem Kind das Ungute aufgearbeitet. Mit Tränen, Vorwürfen und Wut. Das hielt ich aus, weil ich wusste, dass sie aus ihrer Sicht recht hatten. Und bedenken Sie, dass ich mehr als 14 Jahre in Maturaklassen des Landes gelesen habe und zu erklären versuchte, was Sucht bedeutet.

Sie haben auch eine ganze Reihe von Theaterstücken geschrieben. Was war der Anstoß dazu?

Amann Meine Stücke wurden von Heilpädagogen der „Zentrumsschule Rankweil“ initiiert. Günther Sandholzer, wie mir, ist das Stück „Dr. Korzcak“ am wichtigsten: Es handelt vom jüdischen Waisenarzt im Warschauer Ghetto.

 

Ihr neues Buch ist ein berührendes literarisches Selbstporträt.

Amann Der Titel „Brücken und Stege“ gilt für Energie und Lebenskraft, denn es finden sich überall Brücken und Stege. VN

Matinée mit Elisabeth Amann am 20. Oktober, 10.30 Uhr, im Theater am Saumarkt, Feldkirch.