Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Solidarität im doppelten Sinn

Kultur / 21.10.2019 • 10:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Über fünf Jahre ist es her, der Name Ferdinand Schmalz war noch kaum bekannt und das hatte auch nichts damit zu tun, dass der aus Graz stammende Schriftsteller an sich Matthias Schweiger heißt. Das Theater Kosmos bzw. dessen Leiter Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig hatten jedenfalls einen verdammt guten Riecher. „Am Beispiel der Butter“, ein hochpolitisches, geschliffen humorvolles und skurriles Stück, wurde kurz nach der Uraufführung in Leipzig in Bregenz in einer Inszenierung von Stephan Kasimir umgesetzt. Monate später wurde das Wiener Burgtheater auf Schmalz aufmerksam.

Daraufhin meldeten sich das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Zürich und weitere Bühnen. Es hagelte Auszeichnungen, vor zwei Jahren erhielt Ferdinand Schmalz den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sein Stück „jedermann (stirbt)“ kam jüngst auf verschiedene Bühnen oder ist – wie etwa in Graz – gerade als Neuinszenierung angekündigt. Die gelungene Fortschreibung des bekannten Hofmannsthal’schen Textes über den reichen Mann, der hier für die allgemeine Gier steht, die als wirtschaftliches Prinzip kein Ende erfährt, zog an diesem Wochenende auch ins Theater Kosmos. Und zwar als Gastspiel des Schauspielhauses Salzburg, das zur von Jagg und Dragaschnig initiierten Theaterallianz zählt. Aufführungen aus Klagenfurt und Graz folgen noch in den nächsten Tagen im Rahmen dieses Kooperationsabkommens, wobei „Der Sprecher und die Souffleuse“ von Miroslava Svolikova vom Theater am Lend das Siegesstück des jüngsten, gut dotierten Allianz-Wettbewerbes ist.

Die Karriere von Ferdinand Schmalz wäre wohl genauso steil verlaufen, wenn eines seiner ersten Stücke nicht in Vorarlberg aufgeführt worden wäre. Neben vielen weiteren Ur- und Erstaufführungen (erwähnt werden darf etwa auch „Bandscheibenvorfall“ von Ingrid Lausund) zeigt sich an solchen Beispielen aber erstens, dass sich Vorarlberg längst nicht mehr im Ödland befindet und zweitens, dass sich die Bühnen in diesem Bundesland als Stätten des gesellschaftspolitischen Diskurses etabliert haben. Dazu zählen auch das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung, das Aktionstheater und das Landestheater, das sich für diese Spielzeit explizit politische Stücke vorgenommen hat. Dabei ist auch ein neues Werk über die Malerin Stephanie Hollenstein, einer glühenden Anhängerin des Faschismus, deren Lebensentwurf aber ganz und gar nicht dem damals geforderten Frauenideal entsprach. Thomas Arzt schreibt den Text. Von ihm hat in Bregenz gerade die Schnitzler-Adaptierung „Else (ohne Fräulein)“ begeistert. Die Produktion kam aus Linz. Solidarität sei ein wichtiges Thema, das man über neue Stücke transportieren wolle, heißt es bei Kosmos. Solidarität spiegelt auch diese Allianz, denn letztlich hängt die Zukunft einer lebendigen Theaterlandschaft auch vom befruchtenden Austausch und solchen Kooperationen ab, von denen gerade das Publikum in den Bundesländern enorm profitieren kann.

„Lamm Gottes“ heißt ein Stück von Michael Köhlmeier, das Kosmos im November zur Uraufführung bringt. Es handelt vom Leben und von der Liebe und dem, was die Welt im Innersten zusammenhält. Im nächsten Jahr kommt es nach Salzburg.