Ausstellung im Kollektiv: Vom Katzenhaften im Menschen

Kultur / 21.10.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lorenz Helfer zu seinen Gemälden: „Es ist das görßte Kompliment, wenn die Leute Geschichten herauslesen.“ TÖDTLING

Künstler Lorenz Helfer lässt aus gutem Grund miterleben, wie eine Ausstellung entsteht.

Christa Dietrich

Bregenz „So wie ich arbeite, bin ich als Künstler auch ein Rezipient meiner Arbeit, weil ich sie mir selbst ergründen muss“, erklärt Lorenz Helfer und hält gleich einmal fest, dass er als Urheber jener Gemälde, die nun im Kunstraum Kollektiv in Bregenz zu sehen sind, nicht die volle Deutungsautorität für sich in Anspruch nimmt. Laut seinen Erfahrungen gehen die Betrachter im Allgemeinen davon aus, dass das so wäre. Weil es für ihn keinen Sinn gibt, beim Lösen eines möglichen Rätsels behilflich zu sein, versieht er die Arbeiten auch nicht mit einem Titel, aus dem ein Thema abzuleiten wäre, und damit einiges auch einmal grundlegend anders ist, hat er sich auf ein Experiment eingelassen, das heißt, dem Kunstraum Kollektiv in der Bregenzer Maurachgasse dieses vorgeschlagen. Als die noch bis 1. November andauernde Ausstellung vor rund zwei Wochen eröffnet wurde, gab es nämlich absolut nichts zu sehen. Gerade einmal ein Flies hatte er ausgelegt, mit dem die Einrichtung vor dem beabsichtigten Tun geschützt werden sollte. Mittlerweile sind rund zehn Arbeiten entstanden, jeweils zu den Öffnungszeiten.

Der Vorarlberger Lorenz Helfer (geb. 1984) hat sein Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien abgeschlossen, sein Name tauchte in der jungen Wiener Kunstszene immer wieder auf. Das Werk stieß auf Beachtung. Eine Zeitlang hatte er mit seiner Mutter, der Schriftstellerin und Künstlerin Monika Helfer, in Hohenems ein Atelier geteilt, zwischenzeitlich wohnt und arbeitet er in Bregenz. Das Kollektiv, von dem die Einladung zu einer Ausstellung kam, lag quasi am Weg. Zur „Vacuissage“ hatte man in Anlehnung an den Begriff „horror vacui“ geladen, Angst vor der Leere hat Helfer nicht. Beim intensiven Eingehen auf den Akt des Malens an sich erfahre er, was er weiterhin zu tun habe, und so entstehe ein Bild. Mittlerweile sind rund zehn Werke entstanden. Bis zur Erschöpfung zu arbeiten hat er einkalkuliert.

Geschichten herauslesen

Es ist der Mensch, der sein Interesse findet, wenn dieser einen Tierkopf oder etwas Katzenhaftes hat, dann liegt es daran, dass er die Kreatur fokussiert. Mitunter sind es auch formale Aspekte, was heißt, dass bei den Armen und Beinen begonnen wird, die die Bildkomposition dann dominieren oder irgendwann nicht mehr zur Figur gehören, sondern ein Eigenleben zu führen beginnen. Lorenz Helfer würde als Maler nicht so viel Anerkennung finden, wenn er es nicht verstünde, Spannung aufzubauen. Das versteht sich von selbst. Wobei er betont, dass es für ihn ein Kompliment darstellt, wenn die Betrachter Geschichten herauslesen. Gründe dazu liefert er souverän.

Die Aktion mit Lorenz Helfer läuft bis 1. November, Mo bis Fr, 11 bis 16 Uhr im Kunstraum Kollektiv in Bregenz (Maurachgasse1): kollektiv-raum.org