Moralisch ab in den Pool

Kultur / 22.10.2019 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Als Infozentrum und Begegnungsraum der Kreativmesse wird ein Pavillon vor dem Pförtnerhaus errichtet, der von Simon Meusburger entworfen wurde.
Als Infozentrum und Begegnungsraum der Kreativmesse wird ein Pavillon vor dem Pförtnerhaus errichtet, der von Simon Meusburger entworfen wurde.

Kreativmesse Potentiale erstreckt sich vom Hallenbad aus in neue Feldkircher Stadtteile.

Feldkirch Ohne das Alte Hallenbad im Reichenfeld wäre das Kulturleben in der Stadt Feldkirch gar nicht mehr denkbar. Und wer hat das Areal vor Jahrzehnten wiederentdeckt? Bingo, die Kreativszene, zu der damals das Projekttheater zählte. Mittlerweile hat sich dort das Poolbar-Festival etabliert und wenn es um die Revitalisierung ungenutzter, stillgelegter oder kaum noch bekannter Orte geht, wurde das Team der Kreativmesse Potentiale aktiv. Diese findet heuer vom 8. bis 10. November statt, definiert sich auch als Festival und Diskussionsplattform und setzt bei der Kernaufgabe, nämlich der Zurverfügungstellung von Räumen für Aussteller von Produkten aus dem Designbereich auf Nachhaltigkeit. Daneben geht es auch um die Auseinandersetzung mit dem Stadtraum. Mit der Potentiale soll heuer nämlich die autofreie Neustadt belebt werden, wo auch das Veranstalterbüro eingerichtet wurde, das nun das ganze Jahr über als Kommunikations- und Informationsort oder Werkstatt geöffnet bleibt.

In der Neustadt zeigen Jungdesigner und Studierende aus ganz Europa Designobjekte, Kleinserien und nachhaltige Projektideen – von Lehmmöbeln bis zu Accessoires und alternativen Verpackungslösungen. Insgesamt sind bei der Potentiale rund hundert ausgewählte Aussteller vertreten. Werkschau, Werkstatt, ein Vintage-Markt sowie Fotografie-Ausstellungen sollen ein breites Aktionsfeld schaffen. Die Potentiale – als Plattform vor fünf Jahren initiiert – steht, so die künstlerische Leiterin Maja Kleber, für die enge Beziehung von Produkt und Gestalter mit nachvollziehbaren Produktionsketten, bewusst gewählten Materialien und in einem fairen Prozess entstandenen Waren: „Am meisten erreichen wir nämlich nicht, wenn wir keine Spuren hinterlassen, sondern wenn diese positiv sind. Ob beim Kauf von neuen Dingen oder in der Frage des Bauens.“

Schwerpunkt Architektur

Dass gute Gestaltung Raum für gute Gespräche schafft, zeigt in diesem Jahr ein neuer Schwerpunkt der Werkschau. Führende Architektinnen und Architekten laden bei der „Werkschau Architektur“ an einen Tisch, wo gemeinsam Themen wie Sanierung, Erweiterung, Nachverdichtung und Interior Design diskutiert und die Bedeutung eines gestalteten Lebensraums auf den Punkt gebracht wird. Brillen, aber aus Büffelhorn statt aus Kunststoff, Taschen für ein ganzes Leben oder nachhaltige, kreislauffähige und einzigartige Sportswear, das alles entsteht normalerweise in Studios, Werkstätten und Ateliers. Auch die Räumlichkeiten der Künstlerinnen und Künstler werden quasi in das Areal der Potentiale übertragen, wodurch Einblicke in spannende Produktionsprozesse ermöglicht werden.

Eine Reihe der Aussteller kommt aus Vorarlberg, dokumentiert somit, dass das Land längst den Anschluss an die internationale Kreativszene gefunden hat. Dass Vorarlberger Architekten Impulse nach auswärts liefern, ist bekannt. Die Gestalter des alten Hallenbades kommen übrigens aus Berlin und tragen den klingenden Namen schön moralisch. Simon Meusburger entwarf den Info-Pavillon, der beim Pförtnerhaus errichtet wird, und das künstlerische Leitsystem bzw. die Signaletik stammt von Ina Küfner. VN

„Wir haben darauf geachtet, dass die Aussteller ihre Objekte wirkich nachhaltig produzieren.“

Das alte Hallenbald im Reichenfeld dient als Ausstellungsraum, der vom Berliner Kollektiv schön moralisch gestaltet wird. Potentiale/Lamprecht, Edi
Das alte Hallenbald im Reichenfeld dient als Ausstellungsraum, der vom Berliner Kollektiv schön moralisch gestaltet wird. Potentiale/Lamprecht, Edi

Die Potentiale findet vom 8. bis 10. November in Feldkirch statt. Zentrale Ausstellungsorte sind das alte Hallenbad, das Pförtnerhaus und die Neustadt: potentiale.at