Zu einer großen Geschichte verwoben

Kultur / 24.10.2019 • 18:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Letzten ihrer ArtMaja Lundebtb Verlag640 Seiten

Die Letzten ihrer Art

Maja Lunde

btb Verlag

640 Seiten

Die norwegische Autorin Maja Lunde trifft den Zahn der Zeit.

Roman Vor wenigen Tagen wurden in London die besten Tierfotos des Jahres gekürt. Das Siegerfoto aus China zeigt ein Murmeltier, das gerade aus dem Winterschlaf erwacht ist und direkt mit den Gefahren der Natur konfrontiert wird: Eine Tibetfüchsin beäugt es mit voller Konzentration, das Murmeltier starrt entsetzt und mit weit geöffnetem Mund zurück, die Todesangst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Was das mit der Erfolgsautorin Maja Lunde zu tun hat? Die Norwegerin hat sich in ihrem neuen Buch „Die Letzten ihrer Art“ genau wie der siegreiche Fotograf mit dem so spannenden wie sensiblen Artenreichtum dieses Planeten auseinandergesetzt. Zwar geht es bei Lunde nicht um Murmeltiere und Füchse. Ihre Botschaft ist aber eine ganz ähnliche: Schaut her, wie grandios diese Natur sein kann. Und wie fragil. Lunde hat sich mit ihrem millionenfach verkauften Durchbruch-Roman „Die Geschichte der Bienen“ international einen Namen gemacht. Sie zählt längst zu den Schwergewichten der norwegischen Literatur, die sich gerade auf der Frankfurter Buchmesse von ihrer besten Seite zeigte.

Mit ihren Büchern trifft sie den Zahn der Zeit: In der „Geschichte der Bienen“ zeichnete sie das Bild eines Planeten, dem die Bienen abhandengekommen sind, in „Die Geschichte des Wassers“ wurde dann das Trinkwasser knapp. Zweimal nahm Lunde der Welt eine als selbstverständlich betrachtete, aber unersetzliche Komponente – um aufzuzeigen, wie das menschliche Überleben ohne unsere Umwelt unmöglich werden kann. Auch in „Die Letzten ihrer Art“ droht die Welt etwas zu verlieren: das Przewalski-Pferd, ein Schatz der Natur.

Massenflucht aus Europa

Lunde schildert die abenteuerliche Suche nach ihm in der Mongolei des 19. Jahrhunderts, lässt eine deutsche Tierärztin in den 1990er-Jahren ebenso um seinen Erhalt kämpfen wie eine Norwegerin im Jahr 2064. Sie verwebt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer großen Geschichte. Alles kulminiert am Ende zu einem großen Ganzen, die einzelnen Stränge werden zu einem roten, Jahrhunderte übergreifenden Faden, der von einer Mongolei-Expedition über den führende Nazis bis zum drohenden Inferno der Menschheitsgeschichte reicht. Besonders spannend ist dabei erneut Lundes Ausblick in die Zukunft. Das Klima ist kollabiert, die Wissenschaft hat mit ihren Erkenntnissen Recht behalten. Die Folge ist eine Massenflucht. „Ganz Europa ging, ohne Richtung, ohne Ziel.“