Spielboden-Kritik: Das Universum in der Schublade

Kultur / 27.10.2019 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Es werde Licht: 5K HD am Dornbirner Spielboden. VN/JUL

5K HD bringen den Spielboden mit kosmischer Strahlung zum Leuchten.

Dornbirn Die Musikgeschichte ist voll von modernen Mythen. Der Bluesmusiker Robert Johnson hat demnach seine Seele an den Teufel verkauft und Pink Floyd haben der Legende nach ein Album nur mit Küchengeräten aufgenommen. Ein Mythos jüngeren Datums lautet: Die Göttin der bombastischen Popmusik und der Gott des futuristischen Jazz haben zum Unmut des weiteren Götterkanons im äußeren Asteroidengürtel unseres Sonnensystems ein Kind gezeugt. Sein Name? 5K HD. Sein Schicksal? Sich zwischen den Genres zu bewegen und das Schubladendenken der Zuhörer auf die Probe zu stellen.

Unter diesen Voraussetzungen verwundert es kaum, dass der sehr gut besuchte Auftritt der fünfköpfigen Formation am Dornbiner Spielboden einem sakralen Akt gleicht. Sie geben keine Konzerte, sie feiern Messen.

Mira Lu Kovacs waltet ihres Amtes als Hohepriesterin. VN/JUL
Mira Lu Kovacs waltet ihres Amtes als Hohepriesterin. VN/JUL

Mira Lu Kovacs, die mit ihrer Band Schmieds Puls zu berechtigtem Ruhm gelang, gibt die Hohepriesterin mit Überzeugung. Die Musiker, welche auch als formidable Formation Kompost 3 durch die Lande tingeln, haben schon vor Jahren ihren eigenen Klangkosmos entwickelt und fühlen sich sichtlich wohl darin. Harmonie und der Anspruch ans Gesamtkunstwerk stehen bei 5K HD hoch im Kurs. Für ihre aktuelle Tour, es gilt das neue Album „High Performer“ an den Mann oder die Frau zu bringen, hat sich die Gruppe eine ansehnliche transportable Lichtshow geleistet, welche die epochalen Musik visuell stützt und den Auftritt dadurch komplettiert.

In höchste Höhen und zurück

Aus Lokalpatriotismus heraus muss natürlich die dargebrachte Leistung von Benny Omerzell (Keyboard) und Martin Eberle (Trompete) besonders hervorgehoben werden, ohne darauf zu vergessen, dass das Dargebotene ohne Manu Mayr (Bass) und Lukas König (Schlagzeug) weder Fisch noch Fleisch wäre. Und was einem da um die Ohren gehauen wird hat Weltklasseniveau. Wenn sich Gesang und Trompete treffen, dann darf man schon mal melancholisch werden, wenn der Synthesizer brodelt, der Bass dröhnt und die Felle geradezu gepeitscht werden, dann fühlt man sich wie mitten in einem illegalen Rave in Manchester im Jahr 1990. Von den höchsten Höhen in die tiefsten Tiefen in nur wenigen Augenblicken. Diesen Fahrschein kann man schon mal lösen.

Was man als neutraler Betrachter vielleicht bemängeln könnte ist der Umstand, dass einige Passagen etwas kompliziert komponiert wurden, aber das spiegelt doch auch irgendwie das Leben wieder. Man kann sich darauf einlassen und einzigartige Erfahrungen daraus ziehen oder einfach den Raum verlassen. Wir leben in einem freien Land.

Nächstes Konzert am Spielboden Dornbirn: Alice Phoebe Lou, Di., 29. Oktober, 20.30 Uhr