Kunst als Empathie-Schulung

Kultur / 30.10.2019 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Szene aus „The Brutal Journey of the Heart“ der L-E-V Company aus Israel, die am 4. April in Bregenz auftritt. COMPANY/KAUFMANN

Beim Bregenzer Frühling lässt sich eine wichtige Kompetenz mit Genuss erwerben.

Christa Dietrich

Bregenz Der Mensch, der als Individuum wahrgenommen werden möchte, sowie das Bedürfnis, Teil einer Gemeinschaft zu sein, standen als Thema im Zentrum ihrer Überlegungen bei der Auswahl jener Ensembles, die den nächsten Bregenzer Frühling ausmachen, erklärte Jutta Dieing. Abgesehen davon, dass der Rahmen auch von budgetären Vorgaben bestimmt ist oder davon, wie ein Auftritt in den Terminkalender internationaler Compagnien passt, sind es also Aspekte, die viele Kunststücke aufweisen, die die Bregenzer Kulturamtschefin bei der Programmierung des Festivals leiteten. Eines kann bei der Durchsicht des Programms, das für das Jahr 2020 nun offiziell ist, durchaus festgestellt werden: In den Stücken, die auf Motiven aus der antiken Mythologie, auf Texten von Samuel Beckett, auf kulturelle Traditionen sowie auf Beziehungserfahrungen basieren, wird ein Begriff relativ groß geschrieben – die Empathie. Wenn mittlerweile immer öfter davon die Rede ist, dass das Mitgefühl in unserer Gesellschaft mehr und mehr abhanden kommt und daher Empathie-Schulung not tut, lässt sich also gut sagen, dass sie auch dieses Festival liefert. Diese wichtige Kompetenz lässt sich zudem mit Genuss erwerben.

Tanz in den Straßen

Damit möglichst viele Menschen teilhaben können, legt die Stadt Bregenz als Veranstalter einen Tanzpass zu passablen Konditionen auf, in denen auch der Fahrtpreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln enthalten ist. Abgesehen davon soll unter dem Motto „Dancing in the Street“ die ganze Stadt zur Bühne werden. Dabei treten nicht nur rund 100 Tänzerinnen und Tänzer auf, Mitmachen ist angesagt. Inwieweit also der Bregenzer Frühling auch die regionale Szene weiterhin belebt, wird sich zeigen. Ein Zeugnis dafür bietet Silvia Salzmann. Die Vorarlberger Tänzerin, die inzwischen auch international gut unterwegs ist, präsentiert ihr neues Stück „Alles nur Lemminge“, das ein so komplexes Thema wie Konformität beinhaltet, aber für Kinder ab vier Jahren geeignet ist. Dass sie ein sehr junges Publikum faszinieren kann, hat sie bereits gezeigt. Ihre letzte, ebenfalls beim Festival gezeigte Produktion steht übrigens auch an der Spitze der Auslastungsliste im Jahr 2019. Auch mit den internationalen Compagnien punktete man nicht schlecht, 8500 Besucher wurden gezählt, etwas mehr als im Jahr zuvor.

„Es gibt Überlegungen, die Tanzproduktionen in Zukunft wieder mehr als ein Mal zu zeigen.“

Jutta Dieing, Kulturamtsleiterin

Dass vor Jahren Gastspiele mit jeweils zwei Terminen angesetzt werden konnten, steht dennoch im Raum. Auf Anfrage der VN bestätigte Jutta Dieing, dass es Überlegungen gibt, die Aufführungszahl wieder zu erhöhen.

Von Dänemark bis Korea

Damit die Auftritte in Österreich mit einem Gesamtbudget von 462.000 Euro (bei einem Eigendeckungsgrad von 79 Prozent) realisierbar sind, hat man mit Veranstaltern in London, München, Berlin oder Paris kooperiert, wo die Compagnien ebenfalls gastieren. Dabei sind vom März bis zum Mai 2020 das Danish Dance Theatre mit „Siren“, die L-E-V Dance Company aus Israel mit „The Brutal Journey of the Heart“, die Jeon Misook Dance Company aus Korea mit „Bow“, die Compagnie Maguy Marin aus Frankreich mit dem Klassiker „May B“ und die Black Box Dance Company, ebenfalls aus Dänemark, mit „A Space in the Dark“. 

Selbstverständlich sorgt das Aktionstheater unter dem Vorarlberger Martin Gruber wieder für das Finale. Uraufgeführt wird mit „Wann beginnt das Leben?“ ein Stück, das bürgerliche Zersetzungsprozesse oder den Einfluss rechter Demagogen thematisiert.

Das Festival Bregenzer Frühling beginnt am 14. März und endet am 23. Mai 2020 mit dem Aktionstheater. Festivalpässe wurden aufgelegt: www.bregenzerfruehling.com