Fein gewobene Liebesgeschichte

Kultur / 01.11.2019 • 17:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Kreis des WeberknechtsAna MarwanOtto Müller Verlag192 Seiten

Der Kreis des
Weberknechts

Ana Marwan

Otto Müller Verlag

192 Seiten

Ana Marwan stellt Sinnsuchende ins Zentrum ihres Debütromans.

Roman Müsste man die Beziehung zwischen Lipitsch und Mathilde beschreiben, man würde sie wohl „kompliziert“ nennen. Die von Autorin Ana Marwan fein gewobene kleine Liebesgeschichte zweier Sinnsuchender steht im Zentrum ihres interessanten, philosophischen Debütromans. „Der Kreis des Weberknechts“ ist herrlich schräg und tragikomisch. Der Witz steckt weniger in der Handlung, vielmehr in der Sprache. Für Lipitsch bedeutet das Alleinleben „das höchste Glück“. Der Menschheit und der Gesellschaft überdrüssig hat er sich in ein gemietetes Haus in einem Dorf zurückgezogen, um dort ein Buch zu schreiben, das er anderen als allumfassende „ontologische Theorie“ beschreibt. Er möchte keinen Erwartungen mehr entsprechen, ist aber andererseits auch nicht bereit, „sich einzugestehen, dass er eigentlich schon ein wenig Angst davor hatte, von niemandem mehr erwartet zu werden“.

Marwan stellt ihrer Figur dazu ein Zitat der slowenischen Autorin Mila Kacic bei: „Von Geburt an wickelst Du Dich in tausend Fäden ein, aber Du wirst nie ein Schmetterling werden.“ Das beschreibt im Grunde den Roman. Lipitsch und Mathilde beobachten und belauern einander wie Pokerspieler, „zwei Pole, die unwillkürlich den Kreislauf der Betörung erzeugen“. Sie die Spinne, er der Weberknecht.

Sie lässt ihn sich in seiner eitlen intellektuellen Überlegenheit sonnen, während er „einem geschickten Maler gleich … aus einer leeren Leinwand, die eine Frau im Inneren war, ein würdiges Bild“ machte, „das er in seinen Tagträumen bis ins kleinste Detail perfektionierte, bis es an das äußere Erscheinungsbild sowie an sein Herz gewachsen war“. Schließlich lebt er „in ständiger Erwartung“, sie zu sehen, wie ein Tier, „einem servilen noch dazu“, und verfängt sich immer stärker in Mathildes Netz, beginnt, sich im Kreis zu drehen. Die gebürtige Slowenin Ana Marwan gewann 2008 den exil-Literaturpreis. Die Autorin, die in Ljubljana Vergleichende Literaturwissenschaft und in Wien Romanistik studierte, errichtet ihre Geschichte auf dem philosophischen Grund, auf dem ihr Hauptprotagonist fußt. Mathilde verkörpert die Welt, die auf Lipitsch als einen Einzelnen einbricht, auf die er sich als soziales Wesen einlassen muss.