Spiderman kann auch richtig gut sein

Kultur / 01.11.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Szene aus „Eine geschlossene Tür und davor und dahinter oder Gutenachtgeschichten“ von Katharina Klein. KOSMOS/CARO STARK

Beeindruckende Uraufführung des Wettbewerbsstücks der Vorarlbergerin Katharina Klein.

Christa Dietrich

Bregenz Es ist ein Fest für eine junge Autorin, es ist auch ein Fest für die darstellende Kunst in Vorarlberg, mit Protagonisten, die es sich als Experten in ihrem Fach auch zur Aufgabe gemacht haben, Talente zu fördern. Gemeint ist die jüngste Produktion im Kosmodrom, die das Publikum, das zur Uraufführung des Stücks „Eine geschlossene Tür und davor und dahinter oder Gutenachtgeschichten“ von Katharina Klein kam, kaum noch fassen konnte. Die Vorarlberger Autorin – zurzeit Studentin der Philosophie und der Sprachkunst in Wien – erreichte damit den aufgrund der Qualität der Einsendungen spontan vergebenen zweiten Platz bei einem Stückewettbewerb des Theaters Kosmos. Neben den Theaterleitern Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig waren Stephan Kasimir, der Regisseur dieser Produktion, der Schriftsteller und Literaturvermittler Wolfgang Mörth, die Café-Fuerte-Theaterleiterin Danielle Fend-Strahm, die Kulturjournalistin Ingrid Bertel und die Rezensentin in der Jury, die – keine Frage – allein schon aufgrund der sprachlichen Qualität für dieses selbstverständlich anonym ein- und weitergereichte Stück votierte und es auch deshalb gerne auf der Bühne sehen wollte, weil es mit seiner Struktur und den vielen Rollen eine Herausforderung für die Umsetzer darstellt. Um es gleich zu sagen: Das Ergebnis ist mehr als überzeugend, erweist sich als positive Überraschung.

Faszinierende Ebenen

Katharina Klein hat es weder sich noch ihren etwaigen Regisseuren einfach gemacht. Sie ließ sich vom Thema „Wer Gewalt sät“ nicht einfach zu einer erklärenden bzw. aufrüttelnden Diskussionsvorlage verleiten, in die verlangte Kurzform verpackt sie Anlehnungen an die antike Mythologie, archaische und differenzierte Rollenbilder, viel Poesie, das Poltern eines kritischen Volksstücks und sie verabsäumt es dabei nicht, den zentralen Figuren Kontur zu verleihen. Die Geschichte von einer Mutter, einem Kind, der zu bewältigenden Angst, der Abwesenheit des Vaters und der Beobachtung durch die Außenwelt – die als einziges, aber sich vielleicht immer noch oft bewahrheitendes Klischee auftaucht – hat zahlreiche faszinierende, anregende und vor allen gut ineinander verwobene Ebenen. Stephan Kasimir hat keine eliminiert, der vorgesehene Auftritt von Spiderman hat ihn sogar dazu animiert, per Musik weitere Aspekte der Populärkultur hinzuzufügen. Er weiß, dass er mit Caro Stark eine Bühnenbildnerin hat, die mit einer drehbaren Rundwand eine Plattforum schuf, die alles perfekt bündelt. Abgesehen davon steht mit Maria Fliri (Mutter) eine Schauspielerin auf dem Podium, die die Sätze von Katharina Klein bestens zu formen versteht. In ihrer Aura kommen Maria Strauss, Chris Mancin und der junge Taiyo Marquez Suitner gut zurecht. Apropos viele Rollen: Die Videopassagen sind mit Elke Maria Riedmann, Heidi Salmhofer, Michaela Spänle, Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf exzellent besetzt und perfekt eingebaut. Mit der Autorin bildeten alle ein starkes Team. Spiderman kann auch richtig gut sein. Das Publikum zeigte sich begeistert.

Weitere Aufführungen von „Eine geschlossene Tür und davor und dahinter oder Gutenachtgeschichten“ von Kathatina Klein am 1. und 2. November, jeweils 20 Uhr im Kosmodrom, Theater Kosmos, Bregenz (Mariahilfstr. 29).