„Weiter geht es so oder so“

Kultur / 01.11.2019 • 22:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Theresa Bubik, Bettina Steindl und Lisa-Maria Alge, das Kernteam für das 2024-Projekt Dornbirn plus (Dornbirn, Hohenems, Feldkirch, Regio Bregenzerwald). Lamprecht
Theresa Bubik, Bettina Steindl und Lisa-Maria Alge, das Kernteam für das 2024-Projekt Dornbirn plus (Dornbirn, Hohenems, Feldkirch, Regio Bregenzerwald). Lamprecht

Das Team ist bereit für die Entscheidung: Jury für die Kulturhauptstadt 2024 ist kommende Woche in Vorarlberg.

Christa Dietrich

Dornbirn Es brauche die Leuchttürme, es brauche aber auch sicher einen neuen Ansatz von Kunst und Kultur, einen Ansatz über die Sparten hinweg, einer der gesellschaftsrelevant ist. Bettina Steindl weiß, dass nicht nur im Team von Dornbirn plus, das die gemeinsame Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2024 der Städte Dornbirn, Hohenems und Feldkirch sowie der Regio Bregenzerwald leitet, so gedacht und gehandelt wird, sondern dass auch ihre Kollegen in den Städten St. Pölten und Bad Ischl in etwa so denken. Man sei mit diesen Städten in Niederösterreich und Oberösterreich in einem Wettbewerb, aber nicht in einem Wettstreit, lautet die Devise.

In gut zehn Tagen ist er entschieden, am 12. November will die EU-Jury bekannt geben, welches Bewerbungsteam den Zuschlag erhält, zuvor besucht man die Städte und Regionen und lädt die Teams noch einmal nach Wien. Für Vorarlberg ist der 6. November wohl ausschlaggebend, denn an diesem Tag wird vor Ort überprüft, ob man denn überhaupt in der Lage ist, das umzusetzen, was im schriftlichen Konzept unter dem Titel „Outburst of Courage“ (Mutausbruch) angeführt wurde. Zu den Vorgaben für das durchgetaktete Programm zählt, dass nicht genannt wird, wer aus dem 12-köpfigen Entscheidungsteam mit Experten aus verschiedenen Kunstbereichen persönlich anwesend ist und mit wem man konkret in Kontakt tritt.

Wer kommt nach Graz und Linz?

In den Vorarlberger Bewerbungsprozess, der vor einigen Jahren gestartet wurde, sind zahlreiche Vertreter von Kulturinitiativen und Kulturschaffende eingebunden. Die partizipativen Projekte in den letzten Jahren waren mannigfaltig. Die Kulturhauptstadt-Idee bedarf in Vorarlberg wohl keiner Erläuterung mehr. Österreich hatte sich für 2024 den Titel gesichert, teilt ihn sich mit Estland, wo Tartu vor rund zwei Monaten den Zuschlag erhielt und mit Norwegen, wo mit der Titelvergabe an Bodo bekundet wird, dass in jeweils größeren Abständen auch eine Kommune in einem Nicht-EU-Land zum Zug kommen soll. Die östlichen Bundesländer Oberösterreich und Steiermark wurden bereits einmal mit dem Titel Europäische Kulturhauptstadt bedacht, im Jahr 2003 ging er nach Graz (damals noch ohne Auswahlverfahren von der Politik bestimmt), im Jahr 2009 erhielt Linz den Zuschlag.

Kooperationen und Strategien

Keine Frage, dass Bettina Steindl als Leiterin des Dornbirn-plus-Teams auch die Lage der Vorarlberger Städte an der Grenze zur Schweiz, zu Liechtenstein und Deutschland im Konzept betont. Mit den EU-Mitglied- und Nichtmitgliedstaaten sei man quasi eine Art „Mini-Europa“, eine „Pilotregion auf der europäischen Landkarte“. Mit den Kulturverantwortlichen in den genannten Staaten gibt es Absprachen zur Zusammenarbeit. Dass die Städte Dornbirn, Hohenems und Feldkirch in gewisser Weise auch dann ein Team bleiben, wenn der Titel nicht nach Vorarlberg kommt, haben die jeweiligen Bürgermeister bereits mehrmals öffentlich bekundet. Steindl: „Was wir gemeinsam erarbeitet haben, ist zukunftsweisend und wird mit Sicherheit nicht in der Schublade landen, gegebenenfalls sind wir dann die erste aktive Nicht-Kulturhauptstadt. Weiter geht es so oder so.“

Finanzierung

Was die Finanzierung betrifft, plant Vorarlberg mit einem vergleichsweise kleinen Budget, das für die Jahre bis 2025 mit 30 Millionen Euro gedeckelt ist. St. Pölten möchte weit mehr ausgeben. Von der EU kommen 1,5 Millionen, einen Teil haben die Städte selbst aufzuwenden, mit dem Land werde verhandelt, wo der scheidende Landesrat Christian Bernhard noch das Motto „Die Türen stehen offen“ hinterließ. Der Bund wird sich das Thema Kulturhauptstadt auf jeden Fall etwas kosten lassen müssen und hat sich an sich an die EU-Jury zu halten. Aus Wien hörbar gewordene Bemerkungen, dass Vorarlberg bezüglich des 2024-Titels gegenüber Niederösterreich den Ball niedrig halten soll, weil man Zuschüsse für die Festspielhaussanierung möchte, kann Bettina Steindl als Profi ihres Fachs nur kommentarlos verhallen lassen.

„Mit den anderen Städten sind wir im Wettbewerb, aber nicht im Wettstreit.“