Mit dem Zeppelin ins All

Kultur / 04.11.2019 • 20:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kleine Bilder, große Wirkung: Bechtold hat historische Dokumente oder Bilder aus Meyers Konversationslexikon übermalt. VN/CD
Kleine Bilder, große Wirkung: Bechtold hat historische Dokumente oder Bilder aus Meyers Konversationslexikon übermalt. VN/CD

Der Künstler Gottfried Bechtold macht es möglich, er stellt in der Galerie .Z aus.

Christa Dietrich

Hard, Feldkirch Im Palais Liechtenstein in Feldkirch wird in dieser Woche ein Pop-up-Kino eröffnet. Zu sehen sind unter anderem Werke von Gottfried Bechtold, Rose Breuss, Marbod Fritsch, Claudia Larcher, Rafet Jonuzi und Stoph Sauter. Bechtolds Arbeiten sind, wie er selbst sagt, „uralt“, das heißt, es sind kurze Filmsequenzen zum Thema „Warten“, die längst in die namhafte Generali-Sammlung aufgenommen wurden. Kleinformatige Arbeiten, die zumindest Einblicke in Bechtolds Kosmos, in seine Konzeptkunst und seinen Hang zur Paradoxie bieten, beherbergt zurzeit die Galerie .Z in Hard. Wer mit ein paar historischen Kenntnissen aufwarten kann, für den wird die Schau, wie der bekannte Vorarlberger Künstler anführt, ziemlich rund. Und in der Tat, das ist sie. Während man noch etwas darauf warten muss, bis in Lech seine aus Liftteilen bestehenden Großskulptur enthüllt wird, die fortan wie ein riesiges Blumengebinde im Schnee steckt, gibt es in Hard schon einmal die Entwurfszeichnungen zu sehen. Entsprechend dem Bechtold’schen Repertoire an solchen Blättern bekommt man eine Reihe von Zahlen und Zeichen mitgeliefert, die irgendwann aufs Blatt gekritzelt wurden und somit den Entstehungsprozess andeuten. Einmal ist es dann die Lohnliste der Neusiedler Papierfabrik, die ihm als Unterlage für ein amorphes zeichnerisches Gebilde diente. Die Formensprache des Künstlers, der auch ein großartiger Zeichner ist, korrespondiert mit Überlegungen, wie lange ein Arbeiter wohl schuften musste, bis es für eine warme Mahlzeit reichte. Und wenn er auf Feldpost-Bögen zeichnet, sind die Assoziationen mannigfaltig.

Frösche und Brände

Das will Bechtold auch erreichen. Seine Methode hat Witz, wenn manipulierte Frösche und Katzen aus alten Ausgaben von Meyers Konversationslexikon auftauchen, und sie beschäftigt, wenn etwa nicht nur der dort vorgefundene Reichstag brennt – was bekanntermaßen auf verheerende politische Folgen verweist –, sondern auch eine gotische Kathedrale, die noch vor dem Tag übermalt wurde, an dem Notre Dame in Paris in Flammen stand. Und dann ist da ja noch das Luftschiff, das bis ins All steigt. Eine Luftschifffahrt aus dem Jahr 1929 führte um die Welt. Mit seiner Affinität zu Flugkörpern baute Bechtold daraus eine so geist- wie humorreiche Geschichte. Im Bild ist jenes LZ 127, das in der Tat die Erde umrundete. Zwischen Erde und Mond angesiedelt, wird es bei Bechtold ein Protagonist seiner vielschichtigen individuellen Mythologie.

„Wenn man sich historisch etwas auskennt, wird das zur ziemlich runden Geschichte.“

Geöffnet bis 14. November im der Galerie .Z in Hard (Landstraße 11), Di und Do 18 bis 20 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung: galeriepunktz.at