Paten für ein offeneres Haus

Kultur / 05.11.2019 • 20:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Produktion „Spiel“ von Beckett in der Kreation von Silvia Costa ist ab 1. Dezember wieder auf dem Spielplan des Landestheaters und wird danach durch Europa touren. LT/Köhler
Die Produktion „Spiel“ von Beckett in der Kreation von Silvia Costa ist ab 1. Dezember wieder auf dem Spielplan des Landestheaters und wird danach durch Europa touren. LT/Köhler

Landestheater bietet Angebot für weitere Publikumsschichten und forciert Kooperationen.

Bregenz Als Stephanie Gräve vor einem guten Jahr als Intendantin des Vorarlberger Landestheaters nach Bregenz kam, stellte sie fest, dass die Publikumsstruktur des Hauses am Kornmarkt einige Bevölkerungsschichten, die selbst im öffentlichen Leben durchaus präsent sind, nicht abbildet. „Ich war überrascht, wie wenig divers das Publikum hier ist“, hält die Theaterwissenschaftlerin, die zuvor als Chefdramaturgin in Bern oder an Häusern in Deutschland tätig war, fest. Das soll sich so bald wie möglich ändern, denn das entspricht nicht ihrer Vorstellung von Theater.

Konkret wurde in ihrem Team überlegt, wie Menschen mit migrantischem Hintergrund oder solche, die einfach noch keinen Zugang zur Kultur oder Vermittlungsprogrammen gefunden haben, etwaige Schwellenängste genommen werden können. Angedacht wurde auch, dass es im angeblichen Wohlstandsland Vorarlberg eben auch Mitbürgerinnen und Mitbürger gibt, die finanziell kaum bis nicht in der Lage sind, ein Theaterticket zu erwerben, ihrem Kulturbedürfnis also gar nicht nachkommen können. Obwohl das Thema an sich sehr komplex ist und die Landestheatertickets zu durchaus moderaten Konditionen angeboten werden, sollte einfach einmal ein erster Schritt zur weiteren Öffnung getan werden und der heißt: Abo-Patenschaft.

Menschen gewinnen

Funktionieren kann das Konzept aber nur, wenn es gelingt, Menschen zu gewinnen, die Patenschaften übernehmen. Erste erfolgreiche Ansätze gibt es bereits und im Grunde genommen wird einfach dazu angeregt, dass Theaterfreunde ein kleines Abo erwerben, das dann zum Beispiel über das Amt für Integration an neue Besucher vermittelt wird. Wer etwa die letzte Premiere – „Das Jahr des magischen Denkens“ von Joan Didion – besuchte, konnte bereits feststellen, dass das Publikum durchmischter war als sonst. Gut sichtbar wurde die Öffnung auch bei den Rahmenprogrammen wie dem Brel-Abend.

Über die Grenzen hinweg

Dass der See eine starre Grenze darstellt bzw. dass in Vorarlberg quasi in Abgeschiedenheit gearbeitet wird, konnte Stephanie Gräve nicht feststellen. Ein beachtlicher Teil des Publikums kommt aus dem süddeutschen Raum, selbst einige Mitglieder des in diesem Jahr gegründeten Bürgerinnenchors reisen eigens an. Zu den Koproduktionspartnern des Landestheaters zählten zuletzt Schweizer Bühnen. Es sollen mehr werden. Während es mit der Bühne in Biel/Solothurn oder mit aktuellen oder künftigen Leitern von Häusern rund um den Bodensee Gespräche gibt, ist die Zusammenarbeit mit den Berliner Kulturdiscountern bereits fixiert. Ein Thema sind auch Gastspiele und der Austausch mit den Landestheatern von Tirol bis Kärnten. Diesbezüglich müsse man, so Stephanie Gräve, aber gut überdenken, was konkret Sinn gibt. VN-cd

„Ich war überrascht, wie wenig divers das Publikum hier ist. Das soll sich ändern.“

Wiederaufnahme von „Spiel“ von Beckett ab 1. Dezember im Vorarlberger Landestheater, Abo-Patenschaftern unter: www.ellentiefenbacher@landestheater.org