Handke bestreitet, jugoslawische Staatsbürgerschaft zu haben

Kultur / 08.11.2019 • 18:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Handke sagte, er habe den Pass erhalten, „um zu reisen“. AP
Handke sagte, er habe den Pass erhalten, „um zu reisen“. AP

Belgrad, Wien Die Diskussion um den 1999 ausgestellten jugoslawischen Pass von Peter Handke hat nun zu einer Prüfung der Kärntner Landesamtsdirektion geführt, deren Ergebnisse für nächste Woche erwartet werden. Der Autor selbst bestritt gegenüber dem Belgrader Boulevardblatt „Vecernje novosti“, die jugoslawische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Er habe den Pass erhalten, „um zu reisen“. In weiterer Folge stellt sich die Frage, ob Handke durch seinen Pass automatisch auch jugoslawischer Staatsbürger geworden sein könnte und ob er in diesem Fall die österreichische Staatsbürgerschaft verloren hätte. Für den Verfassungsjuristen Bernd-Christian Funk ist der Verlust der Staatsbürgerschaft allein durch die Entgegennahme eines jugoslawischen Reisepasses nicht zwingend, wie er gegenüber der APA erklärte. „Die Tatsache eines Reisepasses ist noch kein Beweis für die Verleihung der Staatsbürgerschaft“, sagte Funk. Es müsse geklärt werden, ob Handke die Verleihung beantragt habe, man könne nicht von vornherein davon ausgehen, dass der Pass eine Staatsbürgerschaft belege. Geklärt ist bereits, dass Handke 1999 definitiv keinen Antrag auf Doppelstaatsbürgerschaft gestellt hat. Sollten die Behörden zu dem Schluss kommen, dass der diesjährige Nobelpreisträger für Literatur die österreichische Staatsbürgerschaft mit der Annahme des Reisepasses verloren hat, muss überdies geklärt werden, ob Handke erneut um die Staatsbürgerschaft ansuchen kann und ob sie ihm gewährt werden könnte.

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hatte die Landesamtsdirektion „umgehend“ nach Bekanntwerden mit der Prüfung beauftragt. Ob und welche Konsequenzen es hätte, wenn Handke damals tatsächlich um eine jugoslawische Staatsbürgerschaft angesucht hatte, wollte Kaiser nicht bewerten. Unterstützung erhielt Handke am Freitag durch einen von mehreren Autoren unterzeichneten offenen Brief.