Mit Kind of Blue auf die Kanisfluh

Kultur / 08.11.2019 • 18:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Birds of a Feather bei „Jazz im Museum“ – ein eindrückliches Erlebnis.VN/HF
Birds of a Feather bei „Jazz im Museum“ – ein eindrückliches Erlebnis.VN/HF

Birds of a Feather zeigen im Vorarlberg Museum, was zwischen Ja und zz alles möglich ist.

Bregenz Es war im Jahr 1966, als der in die USA ausgewanderte österreichische Jazz-Pianist Joe Zawinul seinem Freund und damaligen Bandleader, dem Saxophonisten Cannonball Adderley, die Noten zu „Mercy, Mercy, Mercy“ vorlegte. Für Zawinul war diese mit einem Grammy gekrönte Komposition einer der ersten Höhepunkte eines Märchens, das so schnell kein „. . . und wenn sie nicht gestorben sind“ fand.

Knapp vierzig Jahre später komponiert der Mellauer Saxophonist Andreas Broger die Gospel-Ballade „Dream from Home“ seinem Freund und Pianisten Benjamin Omerzell auf den Leib. So schließen sich die Kreise, von melchen es im modalen Jazz nur so wimmelt. Das sind wundersame Begebenheiten. Per Definition trifft das auch auf Märchen zu. Und als nichts anders lässt sich auch die Geschichte der Formation Birds of a Feather bezeichnen. Als nämlich im Jahr 2017 der Vorarlberger Kulturpreis seinen Fokus auf die Sparte Jazz legte, ließen sich die Nominierten gar nicht erst auf den Konkurenzkampf ein, sondern gründeten kurzerhand ein Ensemble und interpretierten die von der Jury ausgewählten Einzelkompositionen gemeinsam. Gleich und Gleich gesellt sich eben gern.

Alleskönner

Der Saal im Vorarlberg Museum ist bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, der Kellner köpft eine Flasche Grüner Veltliner nach der anderen. Mit akademisch vertretbarer Verspätung betreten sieben Musiker die Bühne. Es sind Birds of a Feather und sie beweisen von den ersten Tönen an: Können ist im Jazz keine Frage des Wollens.

Veronika Morscher (Gesang), Fabio Devigili (Saxophon), Benjamin Omerzell (Klavier), David Soyza (Vibraphon), Andreas Broger (Saxophon), Johannes Bär (Tuba) und Martin Grabher (Schlagzeug) sind nicht nur jeder für sich ausgezeichnete Musiker und Komponisten, das Kollektiv macht sie noch besser. Doch gerade durch diesen Individualismus wird auf der Bühne eine beeindruckende Abwechslung geboten. Egal, ob es die an Miles Davis erinnernde Post-Bop-Nummer „Late Night at Raft Alley“ (Devigili) oder Morschers Komposition River shows no Mercy, vorgetragen im Stil von Stevie Nicks zu besten Fleetwood-Mac-Zeiten, ist – Fadesse kommt da keine auf. Richtige Heimatgefühle und -verbundenheit bereiten die Kompositionen von Broger, der ein Kanisfluh-Gedicht von Klara Schwendinger in modernes Gewand kleidet und der Ländle-Ländler (Bär), ein Jodel-Bastard, der sich nicht entscheiden will, ob er Folklore oder Hip Hop ist.

Ein Hoch auf die Vielfalt

Vibraphonist David Soyza hat auch eine neue Suite im Gepäck, welche die Gemeinsamkeit aller Menschen und Kulturen hochleben lässt. Jazz ist eben auch Optimismus. Wer schwarz sehen will, der soll einfach keine GIS bezahlen.

Dass als Zugabe noch die New-Orleans-Dixie-Nummer „Just A Closer Walk with Thee“ aus dem James-Bond-Streifen „Leben und sterben lassen“ im Arrangement von Devigili interpretiert wird, macht in der Bond-Stadt Bregenz natürlich Sinn und rundet den Abend märchenhaft ab.

Nächstes Konzert in der Reihe „Jazz im Museum“: Norbert Dehmke, 5. 12., 20 Uhr