„Der Prozess ist ein Gewinn“

Kultur / 11.11.2019 • 19:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bettina Steindl leitet das Dornbirn-plus-Team und ist mit einer Gruppe von neun Experten aus Vorarlberg beim finalen Jury-Gespräch angetreten. Lamprecht
Bettina Steindl leitet das Dornbirn-plus-Team und ist mit einer Gruppe von neun Experten aus Vorarlberg beim finalen Jury-Gespräch angetreten. Lamprecht

Kulturhauptstadt-Team sprach vor hochprofessioneller Jury: Heute fällt die Entscheidung.

Christa Dietrich

Dornbirn, Wien  „Ich wollte auf gar keinen Fall am Ende des Auftritts das Gefühl haben, dass ich noch irgendetwas anmerken hätte sollen oder dass mir im Nachhinein noch ein Argument einfällt, das ich nicht vorgebracht habe“, erzählt Bettina Steindl, Leiterin des Dornbirn-plus-Teams, von den letzten Momenten vor dem finalen Auftritt vor der Kulturhauptstadt-Jury, den die Vorarlberger Bewerber am Sonntagnachmittag in Wien absolvierten. Das Gefühl hat sich nicht eingestellt, es wurde nichts versäumt.

Man stand, wie Steindl nun im Gespräch mit den VN berichtet, länger als eine Stunde einer zwölfköpfigen Jury mit zwei Kulturexperten aus Österreich und zehn aus anderen europäischen Staaten gegenüber, deren Mitglieder in jeder Minute und mit jeder Frage deutlich machten, dass sie sich mit den Bewerbungsunterlagen von Dornbirn plus, das heißt den Städten Dornbirn, Hohenems, Feldkirch und der Regio Bregenzerwald, die sich gemeinsam um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2024 beworben hatten, intensiv auseinandergesetzt haben.

Nach Bad Ischl, der oberösterreichischen Stadt, die sich mit weiteren Salzkammergut-Orten beworben hat, trat das Team aus Niederösterreichs Landeshauptstadt St. Pölten am Montag vor die Jury, die die Entscheidung am Dienstagvormittag in Wien offiziell verkündet. Die drei Bewerber dürfen hinsichtlich des Ergebnisses zuvor mit keinerlei Informationen rechnen, und auch die Begründung wird erst später schriftlich nachgereicht.

Unabdingbar für die Entwicklung

Für das Dornbirn-plus-Team ist der gesamte, vor drei Jahren gestartete Prozess, wie auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann bekundet, bereits „ein Gewinn“. Schon längst steht fest, dass die Zusammenarbeit von Dornbirn, Hohenems und Feldkirch so oder so, das heißt, auch bei einem abschlägigen Bescheid, weitergeführt wird. Das wurde in der Bewerbung bereits so dargelegt, denn der „Mutausbruch“, der als Motto und als Titel für die Bewerbungsunterlagen, dem Bid Book, gewählt wurde, sei unabdingbar für die weitere kulturelle, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Entwicklung in der Grenzregion zu Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz. Diese besondere Situation hat das Dornbirn-plus-Team auch in seiner Programmstrategie fokussiert. Neben den historischen Gegebenheiten mit der humanistischen Tradition in Feldkirch, der einstigen Jüdischen Gemeinde in Hohenems, der Migration und dem Wandel in der Arbeitswelt, der sich besonders auf Dornbirn auswirkte, dem Zusammenwachsen der Städte im Rheintal oder den spezifischen Herausforderungen für die (Handwerks-)Betriebe und das Zusammenleben im Bregenzerwald, nahm man auch Bezug auf das Bildungsangebot und das Genderverständnis innerhalb des Unternehmertums.

Auch diesbezüglich sah sich das Kulturhauptstadt-Team, das in den letzten Jahren und Monaten erfolgreich auf Partizipation setzte, sozusagen in einer Vorreiterrolle. Für Bettina Steindl steht außer Frage, dass viel mehr Frauen in die Führungspositionen gehören. Dem Team, mit dem sie den finalen Auftritt in Wien absolvierte, gehörten wiederum mehrere Expertinnen an. Dabei waren etwa die Architektin Nora Heinzle, Stephania Pitscheider Soraperra, die Leiterin des Frauenmuseums in Hittisau, und die Künstlerin und Kulturvermittlerin Nadine Hirschauer.

Fragen zur Finanzierung

Man befinde sich im Wettbewerb, aber nicht im Wettstreit, hat Bettina Steindl das Verhältnis zu den anderen Bewerbern umschrieben. Welchem Bewerber der Titel am heutigen Dienstag auch zugesprochen wird, gänzlich auseinanderdriften will man nicht. 2024 soll es nach Möglichkeit auch zu einem gemeinsamen Projekt von St. Pölten, Bad Ischl und Dornbirn plus kommen. Vorerst haben die Mitglieder der EU-Jury aber allen Bewerbern äußerst genau auf den Zahn gefühlt. Bettina Steindl hat sehr positiv wahrgenommen, dass spezifische Fragen zur Finanzierung, zur Sponsoring-Strategie oder zur politischen Zusammenarbeit in Vorarlbergs Städten gestellt wurden, die vom Team exakt beantwortet werden konnten.

„Wir haben die Inhalte unseres Bewerbungsbuches über einzelne Personen präsentiert.“

Entscheidung der Jury am Dienstagvormittag auf VN.at