Kulturhauptstadt 2024: Dornbirn Plus unterliegt Bad Ischl

Kultur / 12.11.2019 • 09:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
APA/STIPLOVSEK

Jury kürt Bad Ischl zum Sieger der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2014.

Wien Das Rennen ist entschieden: Das Salzkammergut mit Bad Ischl an der Spitze wird 2024 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen. Diese Entscheidung der Jury wurde am Dienstag im Bundeskanzleramt verkündet. Die inneralpine Region mit rund 20 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark setzte sich gegen die heimischen Konkurrenten St. Pölten und Vorarlbergs Bewerbung Dornbirn plus durch.

Somit geht der Titel der Europäischen Kulturhauptstadt nach Graz 2003 und Linz 2009 ein weiteres Mal nach Oberösterreich respektive in die Steiermark. Kern des Konzept ist ein offenes „Kulturkammergut“ abseits historischer Klischees. Dabei wird sich das Salzkammergut 2024 die Aufgabe traditionsgemäß mit einer weiteren Stadt teilen, in diesem Fall mit Tarpu. Estlands zweitgrößte Stadt war bereits im August als zweite Kulturhauptstadt 2024 gekürt worden. Hinzu kommt als dritter Vertreter das norwegische Bodo, darf doch im Abstand einiger Jahre auch eine Stadt aus einem Nicht-EU-Land im Reigen der Kulturhauptstädte mitspielen.

Salzkammergut: Von Sisi-Romantik bis Lehar-Festival

apa
apa

Mit Salzkammergut 2024 hat sich erstmals eine inneralpine Region um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt beworben. Die Bannerstadt ist Bad Ischl, heutiger Kurort und einstige kaiserliche Sommerresidenz von Kaiser Franz Josef und Sisi. Zu Kaisers Zeiten kamen auch Künstler wie Franz Grillparzer, Johann Nestroy oder Franz Lehar zur Sommerfische und hinterließen dort ihre Spuren.

So huldigt das Lehar Festival jedes Jahr der Operette und bei einem Rundgang durch das gut 14.000 zählende Einwohner Städtchen mitten im Salzkammergut stößt man allerorts auf Denkmäler der Ischler Blütezeit von 1849 bis 1914. Die Sisi- und Kaiserromantik locken Jahr für Jahr die Gäste an. SPÖ-Bürgermeister Hannes Heide will dieses Stadtbild nun erweitern und lässt daher ein Kulturleitbild des 21. Jahrhunderts entwickeln. Daher war er einer der ersten, der sich für eine Bewerbung seiner Stadt samt Region für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 aussprach. Auch wenn der Tourismus floriert, befindet sich die traditionell rote Arbeiterstadt im Bezirk Gmunden in einer nicht unproblematischen Region: Abwanderung sowie fehlende Arbeitsplätze und Bildungsangebote sind die zentralen Herausforderungen des Salzkammerguts. Dies wird auch im Bewerbungskonzept für die europäische Kulturhauptstadt thematisiert.

Weiteres prägendes Element von Bad Ischl und der Region ist das namensgebende Salz und dessen Abbau in den Bergwerken. Heute liefert die Salinen AG, Österreichs einziger Salzhersteller mit Sitz im benachbarten Ebensee, pro Jahr rund 1,1 Mio. Tonnen Salz aus. Die Sole kommt aus dem Bergbau in Altaussee, Hallstatt und Bad Ischl. Bekannteste Produkt ist das Bad Ischler Speisesalz.

Stichwort: Kulturhauptstadt

Die Europäische Union verleiht den Titel Kulturhauptstadt seit 1985. Ziel der Initiative ist es laut EU-Kommission unter anderem, den „Reichtum und die Vielfalt der Kulturen Europas hervorzuheben“, den Tourismus zu fördern und das Image der Städte international, aber auch bei den Bewohnern selbst zu verbessern.

Außerdem soll das Gefühl der Europäer gestärkt werden, einem gemeinsamen Kulturkreis anzugehören. In der Vergangenheit wurden die Kulturhauptstadt-Programme nicht nur für neue Kulturinitiativen, sondern auch für Stadterneuerungsprojekte genutzt. Für jede Kulturhauptstadt sind 1,5 Millionen Euro vorgesehen, die im Rahmen des „Melina Mercouri Preises“ an die ausgewählten Städte vergeben werden können. Die damalige griechische Kulturministerin Melina Mercouri war Initiatorin des 1985 ins Leben gerufenen Programms. Der Hauptteil des jeweiligen Budgets wird aber meist von den jeweiligen Kommunen und Ländern getragen.

Erste Kulturhauptstadt war Athen. Die Reihenfolge wird nach Ländern festgelegt. Der Bewerbungsprozess startet in der Regel sechs Jahre vor dem betreffenden Jahr. Die endgültige Auswahl unter den jeweils nationalen Bewerberstädten erfolgt durch eine internationale Jury. Der Titel wurde bisher mehr als 60 europäischen Städten verliehen, da seit 2004 jeweils zwei Städte gemeinsam den Titel tragen. Ab 2021 wird in Drei-Jahres-Abständen zudem eine dritte Stadt aus einem Kandidatenland oder potenziellen Kandidatenland den Kulturhauptstadt-Titel tragen.