„Das Miteinander nicht beenden“

Kultur / 12.11.2019 • 20:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Juryvorsitzende Cristina Farinha bei der Bekanntgabe der Titelvergabe an Bad Ischl im Bundeskanzleramt in Wien. Offizielle Begründungen werden in drei Wochen nachgereicht. APA
Juryvorsitzende Cristina Farinha bei der Bekanntgabe der Titelvergabe an Bad Ischl im Bundeskanzleramt in Wien. Offizielle Begründungen werden in drei Wochen nachgereicht. APA

Bad Ischl wird Kulturhauptstadt, die Entscheidung gegen Dornbirn fiel laut Jury knapp aus.

Christa Dietrich

Dornbirn, Wien Zusammensitzen und klären, welche Projekte, die allesamt der Entwicklung der Kommunen dienen, dennoch realisiert werden können, lautet nun die Devise in den Städten Dornbirn, Hohenems, Feldkirch und bei der Regio Bregenzerwald, die sich gemeinsam um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2024 beworben hatten. Die Entscheidung wurde von der Juryvorsitzenden Cristina Farinha am Dienstagvormittag im Bundeskanzleramt verkündet, sie fiel zugunsten von Bad Ischl aus. Nach Graz (2003) und Linz (2009) geht der Titel erneut an eine Stadt in Oberösterreich, die ein Programm entwickelte, das auch Orte im steirischen Salzkammergut einbezieht. Alle drei österreichischen Bewerberstädte, also auch St. Pölten und Dornbirn, erhalten in etwa drei Wochen einen schriftlichen Report, in dem die Jury, besetzt mit zehn Experten aus verschiedenen EU-Staaten und zwei Österreichern, die Begründung mitteilt.

Eine enge Wahl

Abgesehen davon, dass, wie öffentlich bekundet, alle drei Bewerber sämtliche Kriterien erfüllen konnten, wurde bei der anschließenden kleinen Feier im direkten Gespräch mit Jurymitgliedern doch noch offenbart, dass die Entscheidung sehr knapp ausging. Im Gespräch mit den VN berichteten die Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann und die Projektleiterin Bettina Steindl, dass es laut Juryangaben eine sehr enge Wahl zwischen Bad Ischl und Dornbirn gewesen ist. Innerhalb der Jury habe es unterschiedliche Präferenzen und unterschiedliche Zugänge zu den Themen gegeben, was zu einer längeren Beratungszeit und schließlich zum knappen Ausgang führte.

Unterstützungssignal vom Bund

Andrea Kaufmann sprach auch von einem „deutlichen Signal“ vonseiten des Bundes, die Umsetzung einzelner Projekte in den Programmen unterstützen zu wollen. Es könne nur ein Bewerber den Titel erhalten, aber die Programme seien so wertvoll, dass man sie nicht ad acta legen sollte, hieß es. Zuvor unterstrich Österreichs Kulturminister Alexander Schallenberg den Wert des 1985 gegründeten Projekts mit dem Verweis darauf, dass man bei der Frage, was uns zu Europäern macht, an Kunst und Kultur nicht vorbeikomme. Die Kulturhauptstadt-Idee mache die Vielfalt des Kontinents erlebbar.

Zusammenarbeit als großes Thema

Für Dornbirn, Hohenems und Feldkirch ist das ohnehin nicht der Schluss des Prozesses, für den man in den letzten Jahren insgesamt 735.000 Euro aufgebracht hat und an dem zahlreiche Kulturschaffende, Museums- und Kunstexperten sowie Architekten und Initiativen mitgearbeitet haben. In allen drei Städten wurde stets bekundet, dass man in Zukunft so oder so kooperieren wolle, um zukünftige Entwicklungen zu steuern. Dieses Bekenntnis wurde am Dienstag in einer gemeinsamen Aussendung wiederholt. Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink brachte nach der Bekanntgabe gegenüber den VN zum Ausdruck, dass das Land von der Art des Miteinanders profitieren könne. „Die verstärkte Zusammenarbeit der Kommunen ist ein großes Thema. Natürlich schauen wir dabei auch auf das ganze Land.“ Man werde sich in den nächsten Wochen mit den Inhalten der Bewerbungsunterlagen auseinandersetzen und daraus konkrete Themen ableiten.

Industriemuseum

Das Dornbirn-plus-Büro wird, so Bürgermeisterin Andrea Kaufmann, noch eine Zeitlang in Funktion bleiben. Und eines stehe ohnehin fest: An der Errichtung eines Industriemuseums werde gearbeitet. Aus Bad Ischl wurde derweil bekannt, dass man vor allem mit der Thematisierung des Problems des Übertourismus im Salzkammergut punkten konnte.

„Vorarlberg profitiert von der Bewerbung. Die Kooperation der Kommunen ist ein Thema.“

„Die Errichtung eines Industriemuseums ist unabhängig von der Entscheidung ein Ziel.“