Die Möglichkeiten ausgeschöpft

Kultur / 13.11.2019 • 20:56 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Intendantin Elisabeth Sobotka mit Präsident Hans-Peter Metzler, Regisseur Olivier Tambosi, Direktor Michael Diem und (links) Pressesprecher Axel Renner. VN/Steurer
Intendantin Elisabeth Sobotka mit Präsident Hans-Peter Metzler, Regisseur Olivier Tambosi, Direktor Michael Diem und (links) Pressesprecher Axel Renner. VN/Steurer

Das Programm der Bregenzer Festspiele 2020 ist vielfältiger und umfangreicher denn je.

Bregenz Drei Uraufführungen, mehrere Erstaufführungen, zwei Operninszenierungen im Festspielhaus und im Kornmarkttheater, die Wiederaufnahme von „Rigoletto“ auf dem See, die aufgrund der Kartennachfrage insgesamt 28 Mal (ohne öffentliche Generalprobe und Jugendtag) gezeigt wird, eine große Schauspielpremiere, mehrere kleinere Projekte und als Generalthema jene Besessenheit, die in der Titelfigur der Oper „Nero“ von Arrigo Boito konkret zum Ausdruck kommt, aber auch das Herzblut beschreibt, das die Kopfarbeit im Führungsgremium stets ergänzt – das Programm der Bregenzer Festspiele 2020 erweist sich als umfangreich, aber kompakt. Obwohl die großen Projekte („Rigoletto“, „Nero“ und „Wind“ als Auftragswerk an den Vorarlberger Alexander Moosbrugger) längst bekannt sind, wartet Intendantin Elisabeth Sobotka nun mit viel Neuem auf, das unterstreicht, was sie in Bregenz als faszinierend erachtet. Es sind dies die Möglichkeiten, die ihr die Schauplätze bieten.

Start bereits Ende Mai

In 33 Festspieltagen wird man im kommenden Sommer nach der offiziellen Eröffnung am 22. Juli allein 39 Musiktheateraufführungen zu realisieren haben. Das ist aber noch lange nicht alles, denn genaugenommen beginnen die Festspiele bereits Ende Mai mit „Rigoletto für Kinder“, das heißt, mit einem Pendant zum Stück auf dem See, das man in Kooperation mit dem italienischen Unternehmen Aslico auf ein junges Publikum zugeschnitten hat. Bereits im Juni erfolgt quasi als Signal, dass es wieder eine Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Landestheater gibt, die Premiere von „Ihr seid bereits eingeschifft“ nach einem Konzept von Silvia Costa und damit von jener Künstlerin, die für den Erfolg der Salzburger „Salome“ des Jahres 2018 mitverantwortlich ist und mit dem Landestheater bereits ein „Beckett“-Projekt realisierte.

Verzögerung beim Bund

Präsident Hans-Peter Metzler spricht vom Glück, aufgrund des Erfolgs in den letzten Jahren ein so vielschichtiges Programm anbieten zu können, aber auch vom Druck, dieses hohe Niveau zu halten. Gegenüber den VN offenbarte er, dass dieser Druck auch budgetär bedingt ist. Die Gespräche über Indexanpassungen mit Vertretern des Bundes sind vorerst ausgesetzt.

Auftragswerke

„Wir sind auf Zeitlinie“ zeichnet Michael Diem, der kaufmännische Direktor, den Vorverkaufsstand auf. 50 Prozent der Tickets sind bereits abgesetzt. Eine gute Auslastung wird man brauchen, die Oper „Nero“ ist eine riesige Produktion, auf die Regisseur Olivier Tambosi aber so richtig Appetit macht, lässt er doch schon in wenigen Sätzen nachvollziehen, wie Boito, einst zu den Neuerern des Genres zählend, jahrelang um das Stück über den römischen Kaiser bzw. eine höchst widersprüchliche Person, gerungen hat. Die Umsetzung des Auftragswerks „Wind“ von Alexander Moosbrugger konnte das Publikum bereits bei einigen „Einblicken“ mitverfolgen, an Lubica Cekovska wurde ein weiterer Auftrag vergeben, realisiert wird das Werk nach einer Komödie von Carlo Goldoni gemeinsam mit dem Nationaltheater Bratislava, inszenieren wird die neue Faust-Preisträgerin Elisabeth Stöppler. Im Rahmen der Orchesterkonzerte findet eine Erstaufführung von Thomas Larcher statt, der nun mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde und von dem die Festspiele im Sommer 2018 die Oper „Das Jagdgewehr“ uraufgeführt haben. Die Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin wird mit Kleists „Michael Kohlhaas“, inszeniert von Andreas Kriegenburg, fortgesetzt, und für die Leitung der Meisterklasse kommt wieder Brigitte Fassbaender. Ihre jungen Sängerinnen und Sänger wirken in der Oper „Armida“ von Joseph Haydn mit, Regisseur Jörg Lichtenstein, der in Bregenz mit einfachen Mitteln einen fulminanten „Figaro“ hinlegte, will die Beziehungskämpfe in diesem Werk mit einigem Humor aufbereiten.

Erneut dabei ist der großartige Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan, und mit Klaus Christa spannt ein höchst kreativer Geist des Landes mit dem Bochabela String Orchestra einen Bogen von Österreich bis Afrika. VN-cd

Bregenzer Festspiele 2020

Nero von Arrigo Boito, ­Neuinszenierung im Festspielhaus

Rigoletto von Giuseppe Verdi, ­Wiederaufnahme auf dem See

Michael Kohlhaas von Heinrich v. Kleist, Neuinszenierung auf der Werkstattbühne in Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin

Wind von Alexander Moosbrugger, Uraufführung auf der Werkstattbühne

Impresario Dotcom von Lubica Cekovska, Uraufführung im Theater am Kornmarkt

Armida von Joseph Haydn, Neuinszenierung im Theater am Kornmarkt

Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker unter Karina Canellakis (u. a. dritter Aufzug „Siegfried“), unter Enrique Mazzola (u.a. „Il tramonto“ von Resphighi u. „Palingenia“ von Cekovska), unter Philippe Jordan ( u. a. „Rosenkavalier“-Suite von Strauss)

Orchesterkonzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg unter Leo McFall (u.a. österreichische Erstaufführung der Symphonie Nr. 3 von Thomas Larcher)

Alles nicht wahr von Nikolaus ­Habjan mit Liedern von Georg Kreisler im Festspielhaus

Beethoven goes Africa nach einem Konzept von Klaus Christa mit dem Bochabela String Orchestra im Theater am Kornmarkt

Ihr seid bereits eingeschifft von ­Silvia Costa, Uraufführung in ­Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater, dem Vorarlberg Museum und dem Kunsthaus

Rigoletto für Kinder in Kooperation mit Aslico, dem Symphonieorchester Vorarlberg und Superar Vorarlberg

Weitere Projekte wie Musik und Poesie, Cross Culture, Fest des Kindes, Konzert im KUB