Eine Frau, die sozusagen unter die Guillotine geschrieben wurde

Kultur / 13.11.2019 • 20:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus „Antoinette Capet. Die Österreicherin“ am Vorarlberger Landestheater. LT/anja Köhler,Uhland
Szene aus „Antoinette Capet. Die Österreicherin“ am Vorarlberger Landestheater. LT/anja Köhler,Uhland

Niklas Ritter hat für das Vorarlberger Landestheater ein Stück über Marie
Antoinette verfasst.

Bregenz Es gibt zahlreiche Bücher und Filme über Marie Antoinette (1755-1793), die als Tochter der österreichischen Regentin Maria Theresia aus politischen Gründen bereits als 14-Jährige an den Thronfolger von Frankreich verschachert wurde und auf dem Schafott endete. Auch Musicalproduzenten verkommerzialisierten das Schicksal der zu naiv agierenden Königin, die in Frankreich viel Hass auf sich zog, ein Bühnenstück wird nun vom Vorarlberger Landestheater nachgereicht. Der Autor und Regisseur Niklas Ritter, der im Vorjahr in Bregenz das Werk „Welt am Draht“ umsetzte, begegnete Marie Antoinette, als er an einem Revolutionsstück arbeitete und stellte fest, was für eine „spannende Biografie“ sie hat: „Für mich ist sie das erste It-Girl und ein Opfer, das von der Presse sozusagen unter die Guillotine geschrieben wurde“, skizziert er im Gespräch mit den VN seine Bühnenfigur. Er hat selbstverständlich auch die Biografie von Stefan Zweig gelesen und sich Briefe zugänglich gemacht. Die Mutter war recht unerbittlich in den schriftlichen Anweisungen und das Eingreifen des Bruders ist, wie man weiß, fast anekdotisch privat, erläuterte er dem unerfahrenen jungen König von Frankreich doch, wie er es anstellen soll, um seine dynastische Pflicht zu erfüllen. Nach der Geburt eines Mädchens, die begafft werden durfte und zu hämischen Kommentaren führte, stellten sich zwei Buben ein. Einer überlebte die Mutter, wurde, wie man weiß, im finalen Prozess aber auch gezwungen, von unsittlichen Handlungen zu berichten.

Niklas Ritter zeigt eine Frau, die sich aus Sehnsucht nach einem normalen Leben eine Scheinwelt aufbaut, er zeigt die Intrigen, fokussiert die Revolution aber auch als Zeit, in der immerhin die Menschenrechte entworfen werden konnten. Abgesehen davon, dass diese Revolution dann ihre Kinder fraß, will Ritter, der das Stück selbst inzseniert, auch darauf verweisen, dass wir es noch nicht geschafft haben, diese Menschenrechte auch wirklich umzusetzen. VN-CD

„Wir schaffen es immer noch nicht, die damals formulierten Menschenrechte umzusetzen.“

Uraufführung am 14. November, 19.30 Uhr, am Vorarlberger Landestheater (Kornmarkt, Bregenz). Weitere Aufführungen bis März 2020: www.landestheater.org