Festspielprogramm 2020 ist vielfältiger denn je

Kultur / 13.11.2019 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem Festspielpräsidenten Hans-Peter Metzler, Regisseur Olivier Tambosi, dem kaufmännischen Direktor Michael Diem und (links) Pressesprecher Axel Renner bei der Programmpräsentation. VN/STEURER

Mit Ur- und Erstaufführungen schöpft Intendantin Elisabeth Sobotka neben den großen Projekten die Möglichkeiten aus.

Christa Dietrich

Bregenz Drei Uraufführungen, mehrere Erstaufführungen, zwei Operninszenierungen im Festspielhaus und im Kornmarkttheater, die Wiederaufnahme von „Rigoletto“ auf dem See, die aufgrund der Kartennachfrage insgesamt 28 Mal (ohne öffentliche Generalprobe und Jugendtag) gezeigt wird, eine große Schauspielpremiere, mehrere kleinere Projekte und als Generalthema jene Besessenheit, die in der Titelfigur der Oper „Nero“ von Arrigo Boito konkret zum Ausdruck kommt, aber auch das Herzblut beschreibt, das die Kopfarbeit im Führungsgremium stets ergänzt – das Programm der Bregenzer Festspiele 2020 erweist sich als umfangreich, aber kompakt. Obwohl die großen Projekte („Rigoletto“, „Nero“ und „Wind“ als Auftragswerk an den Vorarlberger Alexander Moosbrugger) längst bekannt sind, wartet Intendantin Elisabeth Sobotka nun mit viel Neuem auf, das unterstreicht, was sie in Bregenz als faszinierend erachtet. Es sind dies die Möglichkeiten, die ihr die Schauplätze bieten und die Vielfalt des Programmes.

Start bereits Ende Mai

Mit der großen Anzahl von „Rigoletto“-Aufführungen nach dem 2019 erstmals umgesetzten, spektakulären Konzept von Philipp Stölzl wird man in insgesamt 33 Festspieltagen nach der offiziellen Eröffnung am 22. Juli 2020 ganze 39 Aufführungen zu realisieren haben. Das ist aber noch lange nicht alles, denn genaugenommen beginnen die Festspiele bereits Ende Mai mit dem „Rigoletto für Kinder“, das heißt, mit einem Pendant zum Stück auf dem See, das man in Kooperation mit dem italienischen Unternehmen Aslico auf ein junges Publikum zugeschnitten hat. Bereits im Juni erfolgt quasi als Signal, dass es nach jahrelanger Pause wieder eine Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Landestheater gibt, die Premiere von „Ihr seid bereits eingeschifft“ nach einem Konzept von Silvia Costa und damit von jener Künstlerin, die für den Erfolg der Salzburger „Salome“ des Jahres 2018 mitverantwortlich ist und mit dem Landestheater bereits ein „Beckett“-Projekt realisierte.

Gespräche mit dem Bund ausgesetzt

Präsident Hans-Peter Metzler spricht vom Glück, aufgrund des Erfolgs in den letzten Jahren ein so vielschichtiges Programm anbieten zu können, aber auch vom Druck, dieses hohe Niveau zu halten. Gegenüber den VN offenbarte er, dass dieser Druck auch budgetär bedingt ist. Die Gespräche über Indexanpassungen mit Vertretern des Bundes sind aufgrund der Neuwahlen und schon zuvor wegen wenig an Kultur interessierter Entscheidungsträger ausgesetzt.

Auftragswerke

„Wir sind auf Zeitlinie“ zeichnet Michael Diem, der kaufmännische Direktor den Vorverkaufsstand auf. 50 Prozent der Tickets sind bereits verkauft. Eine gute Auslastung wird man brauchen, die Oper „Nero“ ist eine riesige Produktion, auf die Regisseur Olivier Tambosi aber so richtig Appetit macht, lässt er doch schon in wenigen Sätzen nachvollziehen, wie Boito, einst zu den Neuerern des Genres zählend, jahrelang um das Stück über den römischen Kaiser bzw. über eine höchst widersprüchliche Person, gerungen hat. Die Umsetzung des Auftragswerks „Wind“ von Alexander Moosbrugger konnte das Publikum bereits bei einigen „Einblicken“ mitverfolgen, an Lubica  Cekovska wurde ein weiterer Auftrag vergeben, realisiert wird das Werk nach einer Komödie von Carlo Goldoni gemeinsam mit dem Nationaltheater Bratislava, inszenieren wird die neue Faust-Preisträgerin Elisabeth Stöppler. Im Rahmen der Orchesterkonzerte findet eine Erstaufführung von Thomas Larcher statt, der vor wenigen Monaten mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde und von dem die Festspiele im Sommer 2018 die Oper „Das Jagdgewehr“ uraufgeführt hatten.  Die Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin wird mit Kleists „Michael Kohlhaas“, inszeniert von Andreas Kriegenburg, fortgesetzt und für die Leitung der Meisterklasse kommt Brigitte Fassbaender wieder nach Bregenz. Ihre jungen Sängerinnen und Sänger wirken in der Oper „Armida“ von Joseph Haydn mit, Regisseur Jörg Lichtenstein, der in Bregenz mit einfachen Mitteln einen fulminanten „Figaro“ hinlegte, will die Beziehungskämpfe in diesem Werk mit einigem Humor aufbereiten.

Begehrte Festspielprojekte

Wieder dabei ist der großartige Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan und mit Klaus Christa spannt ein höchst kreativer Geist des Landes mit dem Bochabela String Orchestra einen Bogen von Österreich bis Afrika. Übrigens: Wieder einmal geht ein großes Festspielprojekt auf Reisen, die vielschichtige Produktion „Don Quichotte“ von Massenet, inszeniert von Mariame Clément, wird nach der diesjährigen Premiere in Bregenz vom Theater in Darmstadt übernommen.