Vier Etagen für eine Person

Kultur / 14.11.2019 • 19:48 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Peter Fischli wird eine Ausstellung realisieren. Er hat einst mit David Weiss an der Aktion „Kunst erleben und sammeln“ der Vorarlberger Nachrichten und des KUB mitgewirkt. Das Bild entstand bei der Signaturstunde vor dem Kunsthaus. VN/Dietrich
Peter Fischli wird eine Ausstellung realisieren. Er hat einst mit David Weiss an der Aktion „Kunst erleben und sammeln“ der Vorarlberger Nachrichten und des KUB mitgewirkt. Das Bild entstand bei der Signaturstunde vor dem Kunsthaus. VN/Dietrich

KUB präsentiert 2020 Künstlerinnen und Künstler, die das Haus zu bewältigen haben.

Bregenz Vier große Ausstellungen, zwei von Künstlerinnen und zwei von Künstlern, die jeweils das ganze Haus zu bespielen haben, so lautet auch im kommenden Jahr das Programm im Kunsthaus Bregenz. Direktor Thomas D. Trummer legt ihm zwei Themen zugrunde. Das erste fragt nach dem Stand der Dinge, das zweite nach dem individuellen Glück. Zusammengeführt werden sie vor allem in den Arbeiten des Schweizers Peter Fischli (geb. 1952), der mit dem 2012 verstorbenen David Weiss jenes Duo bildete, dessen Film „Der Lauf der Dinge“ zu einer Ikone der bildenden Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde.

Menschen, die nicht nerven

Bei der Programmpräsentation in Bregenz anwesend und ein ständiger Besucher der Ausstellungen im KUB, bezeichnete Fischli den Zumthor-Bau am Bodenseeufer als „verlockende, einmalige“ Plattform, die den Künstlern die Möglichkeit bietet, eine oder gleich vier Ausstellungen in den jeweiligen Stockwerken zu realisieren. Es habe ihn immer wieder interessiert, wie die Künstlerinnen und Künstler diese bewältigen, jedenfalls seien die Positionen jeweils in der gesamten Bandbreite zu erleben gewesen, während man in anderen Häusern immer nur einen Teil bzw. ein Kuchenstück vom Ganzen serviert bekomme. Was ihn an Bregenz interessiert, brachte er auch humoristisch auf den Nenner: „Die Biografie des Hauses, die aus den vergangenen Ausstellungen der Künstlerinnen und Künstler besteht, die räumliche Situation und dass man mit Menschen zusammenarbeiten kann, die einem nicht auf die Nerven gehen.“

Peter Fischli war übrigens bereits einmal an einem KUB-Projekt beteiligt. Gemeinsam mit David Weiss schuf er ein Werk im Rahmen der Aktion „Kunst erleben und sammeln“, die die Vorarlberger Nachrichten mit dem Kunsthaus umsetzten.

Im kommenden Frühjahr wird er Arbeiten zeigen, die in den letzten vier bis fünf Jahren entstanden sind. Fokussiert werden dabei auch Phantombilder vom Glück. Es sind Aufnahmen, die Menschen von sich bei einer Freizeitbeschäftigung machen und in Umlauf bringen, wobei Fischli die Gleichzeitigkeit von Authentizität, Fiktion und Klischee interessiert.

Rogers, Sala, Fischli, Budor

Den Auftakt macht mit Bunny Rogers (geb. 1990) eine junge amerikanische Künstlerin. In raumgreifenden Installationen setzt sie sich mit Ritualen der Trauerarbeit auseinander und thematisiert auch einen Amoklauf in einer Schule, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden. Während Bregenz im Zeichen von Musik und Theater steht bzw. beginnend in der Festspielzeit, präsentiert der albanische Künstler Anri Sala (geb. 1974) unter anderem seine Auseinandersetzung mit Bild und Ton, und zwar ein verfilmtes Spiel einer Elegie von Igor Strawinsky, bei der das Aufführungstempo von einer Schnecke bestimmt wird, die sich auf dem Bratschenbogen bewegt. Salas Arbeiten sind zudem durchaus politisch konnotiert. Er wird sich auch mit dem Raum in der Johanniterkirche in Feldkirch beschäftigen und dort ein Werk umsetzen.

Dora Budor (geb. 1984 in Zagreb) geht im Besonderen auf die architektonischen Voraussetzungen im Kunsthaus ein. Im KUB-Schaufenster wird deutlich, dass der gebürtige Vorarlberger Thomas König dem Haus eine Sammlung überlässt, die er gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau Erika Lebschik aufgebaut hatte. Es handelt sich um Originalgrafiken von Künstlerinnen und Künstler, darunter sind VALIE EXPORT, Iris Andraschek, Max Bill, Martha Jungwirth oder Maria Lassnig.

An der KUB-Fassade wird man ab Dezember 2020 ein Werk der Liechtensteiner Künstlerin Annemarie Jehle (1930-2000) sehen können, die sich mit Installationen, Fotografien und Malereien bekannt machte und gesellschaftskritisch im Hinblick auf soziale Themen oder Rollenbilder agierte.

Im laufenden Jahr hat das Kunsthaus, das – wie es die Galerienförderung des Bundes vorsieht – auch Werke ankauft, Arbeiten von Maria Anwander, Cäcilia Brown, Angelika Loderer und der Gruppe Die Damen (ONA B., Evelyn Egerer, Birgit Jürgenssen, Ingeborg Strobl und Lawrence Weiner) erworben.

Mehr Besucher

Im laufenden Jahr wird man rund 53.500 Besucher erreichen können, etwas mehr als im Jahr 2018, in dem man 48.300 Besucher zählte. Das Kunsthaus Bregenz wird mit 2,8 Millionen Euro vom Land Vorarlberg finanziert, die Eigeneinnahmen betragen rund 900.000 Euro. Derzeit sind Installationen und Videoarbeiten der jungen deutschen Künstlerin Raphaela Vogel zu sehen. VN-cd

„Wenn Sie eine Ausstellung versäumen, haben Sie sie für immer versäumt.“

Kunsthaus Bregenz 2020

Bunny Rogers

18. Jänner bis 13. April

Peter Fischli

25. April bis 5. Juli

Anri Sala

18. Juli bis 11. Oktober

Dora Budor

24. Oktober bis 10. Jänner

Sammlung König-Lebschik

27. Juni bis 31. August im Sammlungsschaufenster

Annemarie Jehle

Fassadenprojekt im Dezember