Wellenplätschern und ein Vulkan

Kultur / 14.11.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nicht nur Noah hätte seine Freude an diesen Miniarchen der Künstlerin Barbara Geyer gehabt. Ariane Grabher
Nicht nur Noah hätte seine Freude an diesen Miniarchen der Künstlerin Barbara Geyer gehabt. Ariane Grabher

Barbara Geyer versammelt im Kunstraum Engländerbau die Welt in einem Raum.

VADUZ Trotz Wellenplätschern und einem rauchenden Miniaturvulkan in einer Vitrine: Es ist die Stille im Raum, die berührt, und die Welt draußen lässt. In „Synchron“ spürt die 1968 in der Steiermark geborene, in Liechtenstein lebende und arbeitende Künstlerin Barbara Geyer mit Werken aus den vergangenen fünf Jahren der Transformation des Alltäglichen nach.

Dabei erweist sich Barbara Geyer als ebenso sensible wie genaue Beobachterin. Tradition und altes Handwerk sind ihr ebenso wichtig wie das Experimentieren damit. Erfahrungen macht sie gern am eigenen Leib, das subjektive Erlebnis und das Wahrnehmen mit allen Sinnen stehen im Vordergrund. Maßgeblich geprägt haben die Künstlerin, die ihre Sommer mehrfach auch als Sennerin und Schäferin auf einer Alp verbracht hat, ihre unzähligen Reisen auf fremde Kontinente und die Begegnung mit anderen Kulturen. Daraus hat sie ihre ganz individuelle Formensprache und einen ureigenen, reichen Bild- und Materialkosmos entwickelt, aus dem sie schöpft. Vertrautes und Fremdes, Natürliches und Zivilisiertes, Alltägliches und Rituelles sind für Barbara Geyer keine Antagonisten, sondern synchrone, ergänzende Entsprechungen. Die Transformationen, die dazwischen geschehen, sind ihr großes Thema.

Rad des Lebens

Das Herz oder vielmehr den Ursprung der Ausstellung bildet ein mit grünem Licht auf den Boden gezeichneter Kreis, der ein schattenhaftes Echo an die Wand wirft. Je nachdem ob man drinnen steht oder die magische grüne Linie nicht übertritt, ist er Ort oder Rahmen. Der Lichtkreis symbolisiert Vollkommenheit und umfasst die Ganzheit des kultischen Lebensrads mit den vier Himmelsrichtungen, Elementen und Lebensaltern, mit Gestirnen, Tier-, Pflanzen- und Mineralienwelt. Fest, flüssig, gasförmig und feurig, Erde, Wasser, Luft und eine Andeutung von Feuer sind in der Schau enthalten. Ein „Wavebirther“ gebiert Wellen in einem Edelstahlbecken, Lehm als ungeformter Urstoff zerfurcht und trocknet im Ausstellungsverlauf immer mehr aus und mittels einer Nebelmaschine simuliert Geyer unter einem Glassturz fast schon spektakulär den Ausbruch eines unterirdischer Vulkans auf der Kanareninsel „El Hierro“.

Ineinander gestaffelte Hausformen bringen ein Tipi, ein japanisches Teehaus, eine Jurte und ein Langhaus der Maori unter ein Dach, hinterfragen Kategorien wie offen und geschlossen, schützen oder einsperren und lassen diesen Raum als Ort der Begegnung und Kommunikation für die Besucher transparent werden. Kommunikative Aspekte liegen vor allem auch der seit 2014 entstehenden Installation „Zu Zweit“, die durch eine gleichnamige Reihe von Camera Obscura-Aufnahmen ergänzt wird, zugrunde. Nach dem Prinzip der Dualität versammelt Barbara Geyer in Wunderkammer-Manier in Vitrinen paarweise idente Objekte, Gemachtes und Gefundenes: Schildkrötenpanzer, Würfel aus Haaren, Nüsse, Insektenkörper, Vogelflügel, Indigo-Kugeln, Teppichklopfer, Löffel und viele Dinge mehr gilt es zu bestaunen. AG