Einmal Österreich und einmal Schottland

Kultur / 15.11.2019 • 16:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rikolas letzter AuftrittBernd Schuchter154 Seiten, Braumüller Verlag

Rikolas letzter Auftritt

Bernd Schuchter
154 Seiten, Braumüller Verlag

Der Tiroler Autor Bernd Schuchter schaut in die 1920er-Jahre. Und dann ist da noch ein Krimi.

Romane Österreich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg war ein Biotop aus tatsächlicher Geschichte und Anekdoten. Diese an einem roten Faden aufzuhängen ist oft schwierig oder bereits abgelutscht. Der Autor und Verleger Bernd Schuchter hat mit „Rikolas letzter Auftritt“ einen sehr eigenen, aber auch sehr treffenden Weg gefunden, die Zeit nochmals einzufangen.

Richard Kola wollte mit seinem Rikola Verlag die verlegerische Nachkriegsarmut in den Wind schießen und wirklich Großes erlangen, den einzigen österreichischen Verlag aufzubauen, der über die Grenzen strahlt. Das waren auch keine Hirngespinste, denn immerhin schaffte es der Verleger, mit einem gewissen Thomas Mann einen Vertrag abzuschließen, ihn von Fischer loszueisen und den ersten Teil der „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ bei Rikola zu veröffentlichen. Aber wie es im Größenwahn so ist, wollte der Verleger das zweite Buch eines noch relativ erfolglosen Adolf Hitler verlegen.

Knisternde Zwischenkriegszeit

Der Autor Bernd Schuchter macht es spannend. Er mischt Realität und Fiktion zu einem feinen Konglomerat. Hier kommt dem Autor seine Arbeit als Verleger zugute. Natürlich macht es Spaß, über Menschen wie Stefan Zweig, Elias Canetti, Thomas Mann oder den Bundeskanzler Ignaz Seipel in einem anderen Kontext als gewohnt zu lesen. Ignaz Seipel hätte übrigens einer Veröffentlichung von Hitlers zweitem Werk in Österreich nicht zugestimmt. Erfahren hat das der Verleger in der groß angelegten Literatur-Redoute, die er persönlich veranstaltete, über die ganz Wien ratschte und die sogar in Paris und London ihr Echo fand.

Absurd wie vieles zu dieser Zeit, scheiterte der Verlag und das ganze Firmenimperium während der großen Redoute, da parallel dazu die Frances-Spekulationen des Verlegers seinen Ruin bedeuteten. In der Zwischenkriegszeit war jedoch noch so manch anderer Untergang schillernd, an das dicke Ende wollte noch keiner so recht glauben. Gut dosiert, ohne Übertreibung und ohne unnötige Komik, schreibt der Autor den Roman fertig. Ohne darauf dezidiert hinzuweisen ist zu erkennen, dass Kolas Größenwahn heutzutage stattfinden könnte, ein durchaus realistisches Szenario.

Düsteres Glasgow

Mit „Der Tod im Februar“ bringt Alan Parks seinen zweiten Kriminalroman heraus. Ein Spieler der Fußballmannschaft Celtic Glasgow wird tot auf dem Dach eines Rohbaus aufgefunden. Den Täter aufzuspüren ist Detective Harry McCoys Aufgabe. Als Hauptverdächtiger entpuppt sich ein Mitkonkurrent um die Freundin des Ermordeten. Ein Stalker, der zu einem Serienmörder mutiert. Und schon befindet sich der Leser im winterlich unfreundlichen Glasgow der frühen 1970er-Jahre. Entstanden ist eine temporeiche Story, in der der Täter den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist. Alan Parks spart nicht mit Details und schafft so einen schottischen Krimi in der Preisklasse eines Ian Rankin.

Tod im FebruarAlan Parks428 Seiten, Heyne Hardcore

Tod im Februar

Alan Parks
428 Seiten, Heyne Hardcore