Der Bildungsmisere mit Humor begegnet

Kultur / 16.11.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Lins mischt sich mit Kompetenz unter die Vorarlberger Kabarettistenszene.  VOVO

Markus Lins begeistert und entspannt mit einem Kabarett von Stefan Vögel.

Christa Dietrich

götzis Sind Sie glücklich, oder haben Sie ein Kind im Gymnasium? Diese Frage kursiert seit Jahrzehnten in den entsprechenden Altersgruppen. Erledigt hat sie sich trotz aller Reformen in der Pädagogik, die den Lehrern die Entscheidungsgewalt über die Zukunft eines jungen Menschen nahm, wohl noch lange nicht und schon gar nicht, seit die meisten Jugendlichen vor der eigentlichen Berufsausbildung durch die neue Mittelschule geschleust werden. In einer solchen, verortet im Vorarlberger Oberland, agiert Gerhard Loacker alias Geri als Schulwart. Als Faktotum des Betriebs sind ihm nicht nur alle Vorkommnisse bekannt, er weiß auch von geheimen Absprachen und geheim gehaltenen Begierden, ärgert sich über die Hürden, die die Bürokratie verursacht, über die Politik, die der Bildung nicht ausreichend Bedeutung beimisst, über karriereorientierte Lehrer, die den eigentlichen Auftrag vernachlässigen und Eltern, die beim Behüten kein vernünftiges Maß finden.

Mechanismen des Kabaretts

Während die Position des Schulwarts meist nicht viel mehr Möglichkeiten bietet, als leise vor sich hinzuleiden und gelegentlich zumindest den Heranwachsenden hilfreich beiseite zu stehen, sieht sich Geri auf der Bühne vor einer Zuhörerschaft, die ihm Aufmerksamkeit schenkt. Ist der Hahn erst einmal geöffnet, sprudelt alles heraus, was sich aufgestaut hat. Dieser Mechanismus ist dem Kabarettpublikum wohl bestens vertraut und auf diesen setzen auch die Vorarlberger Stefan Vögel als Autor des Stücks „Nie mehr Schule“ und Markus Lins als dessen Vermittler.

Eines darf bei dieser humorvollen Begegnung mit der Bildungsmisere nicht aus den Autoren verloren werden: „Nie mehr Schule“ ist keine Komödie bzw. kein Theatertext, es handelt sich um ein Kabarett. Insofern ist es auch absolut zulässig, dass Geri einmal für ein Mittelmaß plädiert und dieses ein anderes Mal fast schon verteufelt, wenn er Unterforderung anprangert und später meint, dass ein Genügend eben genau das ist, was das Wort ausdrückt. Mehr als einen Vierer zu verlangen, dürfte letztlich kein Vergehen sein, auch Markus Lins macht deutlich, dass er an sich selbst hohe Anforderungen stellt. Trotz Heiserkeit absolvierte er erst kürzlich bravourös eine der knapp zweistündigen Aufführungen in der ausverkauften Bühne Ambach. Ein paar spitze Bemerkungen in Richtung rassistischer Tendenzen in der Politik sind gut verpackt und einige irritierende Klischees werden witzig abgefangen, während hier letztlich eine Person auf der Bühne steht, die sich (vorbildhaft) bemüht, bei der Bewältigung des mitunter haarsträubenden Alltags Menschlichkeit zu bewahren.

Weitere Aufführungen von „Nie mehr Schule“ am 19., 20., 25. und 29. November in Götzis (Ambach) und an weiteren Orten in Vorarlberg: www.vovo.at