Verschiedene Formen des Protests

Kultur / 16.11.2019 • 11:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christine S. Prantauer thematisiert in ihren Arbeiten die Auswirkungen von Globalisierung, Kapitalismus und Mobilitätswahn sowie verschiedene Formen des Protests dagegen. AG

Digitale Bildmontagen von Christine S. Prantauer sind in der Galerie allerArt zu sehen.

BLUDENZ Kunst, die nur schön sein will, genügt ihr schon lange nicht mehr. Christine S. Prantauer greift sowohl in ihrem Leben als auch in ihrer Kunst sozial- und gesellschaftspolitisch relevante Fragen auf. An ihre Arbeiten hat sie den Anspruch, dass sie etwas aussagen und bewegen sollen, weswegen sie ihre Projekte gern temporär und im öffentlichen Raum realisiert. In der Bludenzer Galerie allerArt besteht derzeit die deshalb eher seltene Gelegenheit, den Werken der Tiroler Künstlerin in einer klassischen Ausstellung zu begegnen. Zu sehen ist eine Auswahl ihrer jüngsten Bildmontagen.

Schöne neue Welt? Der erste Blick, der beim Betreten des Ausstellungsraumes auf Bilder von gläsernen Hochhausfassaden und unseren blauen Planeten fällt, täuscht. Die Stadtansichten sind okkupiert von Ausschnitten von Weltkarten, die Wartenden im Bushäuschen entpuppen sich als Demonstranten und die Erde wird von Weltraummüll umkreist. Christine S. (Susanna) Prantauer thematisiert in ihren Arbeiten die Auswirkungen von Globalisierung, Kapitalismus und Mobilitätswahn sowie verschiedene Formen des Protests dagegen.

Das Kreisen um kunstimmanente Aspekte allein hat ihr bereits das Malerei-Studium an der Akademie vergrault. In der Medienklasse von Peter Weibel hat Christine Prantauer schließlich einen anderen Zugang gefunden. Ihre als Digitalmontagen bezeichneten Arbeiten entstehen mittels Bildbearbeitungsprogrammen am Computer, den sie als reines Werkzeug benutzt – wie einst den Pinsel zum Malen. Der eigentliche künstlerische Prozess, so Prantauer, sei das Zusammenstellen und das sorgfältige Austarieren von Farben und Nuancen, von Farbsättigungen oder Hell und Dunkel. Ihre Motive holt sich die Künstlerin aus dem Netz oder aber aus ihrem eigenen Foto-Archiv. Anbringen und wegnehmen, die Bilder in Zirkulation bringen, demontieren, montieren und in einen neuen Kontext stellen: Im Bildverfahren spiegelt sich ein Stück weit auch die Unruhe der Gesellschaft und ihrer Brennpunkte.

Blauer Planet

In der Werkserie „Transition“ dominieren Bilder von zerstörter Natur und Widerstand in verschiedenen Ländern. „Capitalism will never be Green“ lautet der Slogan auf einem Protestschild der Extinction Rebellion, während in Frankreich die Gelbwesten aufmarschieren oder in Chile gegen soziale Ungerechtigkeit demonstriert wird. In ihren Bildmontagen gelingt es Prantauer mit modernen Bildbearbeitungsverfahren, mit wachem, analytischem Blick und einem feinen künstlerischen Händchen Gegensätze zu verschmelzen. Für die Reihe „Nothing beside“ kombiniert die Künstlerin Bilder von verschiedenen, internationalen Finanzmetropolen, die mit ihren Prestige-Bauten, den Glaspalästen und Hochhaustürmen auf der ganzen Welt gleich auszusehen scheinen. Diese Austauschbarkeit und das globale Agieren der Konzerne untermauert Prantauer mit Ausschnitten von Weltkarten, die ebenfalls Machtanspruch Besitzverhältnisse dokumentieren.

Die drei Großformate „Blauer Planet“ werfen einen Blick vom Weltraum auf die Erde und zeichnen ein trauriges Bild unseres wunderschönen Planeten, der von tonnenweise Weltraummüll umkreist wird oder in dessen Herz der Amazonas-Regenwald brennt. Es sind eindrückliche, zum Nachdenken anregende Bilder, die Christine Prantauer in Bludenz zeigt. Und sie lässt in einem wohltuend reduziert bespielten Galerieraum den nötigen Platz dafür. Ariane Grabher

Die Ausstellung ist in der Galerie allerArt, Remise, Am Raiffeisenplatz 1, Bludenz, bis 28. Dezember geöffnet, Mi bis Sa, So- und Feiertag von 15 bis 18 Uhr.