Aus dem Leben eines Taugenichts

Kultur / 22.11.2019 • 17:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Geschrieben im Gedenken an Alma Johanna Koenig“ – diese Widmung stellt Tauschinski voran.

Roman Koenig war Jüdin und wurde 1942 in Maly Trostinec ermordet. Die Schriftstellerin war bis zur Deportation in einem engen Keller versteckt. Dort schrieb sie mit einem Tablett auf den Knien als Unterlage ihr Werk „Der jugendliche Gott“, das Tauschinski im Anschluss abtippte, über die Zeit des Nationalsozialismus rettete und 1947 erstmals veröffentlichte. Tauschinski, 1914 in Ostgalizien geboren, ging 1933 nach Wien zum Studium, wurde 1939 in die polnische Armee eingezogen und geriet 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft. 1944 wurde er wegen antifaschistischer Äußerungen zu mehreren Monaten Gestapohaft verurteilt. 1947 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft, engagierte sich für die Werke ermordeter Autorinnen wie Autoren, arbeitete als Übersetzer polnischer Kollegen, wurde von Marlen Haushofer zum Nachlassverwalter berufen und war neben seiner Mitgliedschaft im P.E.N. Club in anderen Autorenverbänden aktiv.

Die Herausgeberin Evelyne Polt-Heinzl sagt zur wichtigen Rolle im literarischen Leben Österreichs: „Dass sein eigenes Werk immer wieder im Hintergrund blieb, hat mit seiner Zurückhaltung ebenso zu tun wie mit der Tatsache, dass er, lange bevor die Debatten um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit einsetzten, literarisch die Erinnerung an diese Zeit präsent hielt.“

Ambivalent ist auch die Haltung der Protagonistin namens Susanne in Tauschinskis Roman „Talmi“. Der Erzähler behauptet, das Tagebuch habe Susanne ihm überlassen, als sie mit ihrem Ehemann, einem GI, in die Vereinigten Staaten ging.

Diese Susanne hat einen „Buckel“, den sie für einen Makel hält, als sie, lange vor dem Zweiten Weltkrieg, einen Mann kennenlernt und versucht, dem vergnügten Charmeur Wissen, Werte und Manieren beizubringen. An Wissen und Manieren ist dieser höchst interessiert, Werte, womöglich innere, also unsichtbare, hält er für unwichtig. Im fiktiven Briefwechsel mit Susanne befragt sie der Autor, zeigt ihre Verliebtheit auf und enthüllt ein berührendes, historisch informatives und an Facetten reiches Bild der Zeit. Salg

„Talmi“, Oskar Jan Tauschinski, edition atelier, 139 Seiten.