Bestandsaufnahme einer Künstlerin

Kultur / 22.11.2019 • 11:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Arbeiten von Carmen Pfanner in der Galerie Lisi Hämmerle. ARIANE GRABHER

Vorarlberger Künstlerin Carmen Pfanner zeigt in der Galerie Lisi Hämmerle neue Arbeiten.

BREGENZ Ein einheitliches Format, einheitliche Rahmen, 23 in einer Reihe, drei Reihen übereinander. Das macht genau 69 Bildobjekte, die fein säuberlich dicht an dicht hängend eine ganze Wand in der Galerie Lisi Hämmerle einnehmen. In den Bildkästen befinden sich gepolsterte Elemente und aufgenähte Teile, zarte Zeichnungen mit dem Faden, eisiges Blau und pralles Rot, abgeklatschte Formen, Vasen, Käfer, Kabelbinder, vertraut-fremde Maschinenteile, skurrile Apparaturen ohne offensichtliche Funktion  und Schläuche, die Energie in einen Kreislauf lenken: Richtig, hier war Carmen Pfanner am Werk, und zwar mit allem, was ihr zur Verfügung steht.

Aus 25 Jahren

Die vielteilige Installation versammelt alle Themen, Techniken und Motive, die die Dornbirner Objekt- und Textilkünstlerin in den letzten fast 25 Jahren bearbeitet hat. Nicht „Jedem das Seine“, sondern „Jeder ihr Sein“ nennt die Künstlerin Carmen Pfanner (geb. 1957 in Dornbirn) die Ausstellung und deutet damit dieses Zurückkommen auf das, was ihr Werk und ihre Person als Künstlerin ausmacht, an. Die Bestandsaufnahme in 69 Bildern hat einerseits einen retrospektiven Aspekt, andererseits lanciert Carmen Pfanner ihr Schaffen wieder neu. Sie übernimmt nicht einfach Teile oder Ausschnitte früherer Arbeiten 1:1, sondern transferiert sie von einer Technik in die andere, von einem künstlerischen Aggregatzustand in den nächsten. Aus Objekt wird Foto, aus Foto wird Stoffdruck und der Stoffdruck wird schließlich wieder aufgenäht. Derart variierte Motive durchlaufen auch Größenverschiebungen, werden in andere Zusammenhänge gebettet, mit neuer Bedeutung besetzt, und vor allem im nachbarschaftlichen Nebeneinander von Arbeiten aus unterschiedlichen Werksträngen ergeben sich schöne, stimmige Ensembles.

Liebe zu Handwerk und Stoff

Alles ist irgendwie miteinander vernetzt, tief im Oeuvre der Künstlerin verankert und doch spiegeln sich alle Facetten dieses vielschichtigen Werks in einer einzigen wunderbar bunten, fast enzyklopädisch anmutenden Installation, an der man sich nicht sattsehen kann.
Die große Stärke von Carmen Pfanner: Sie bleibt auch in der aufs Digitale fixierten Gegenwart ihren handwerklichen Wurzeln als solider Basis und ihrer Liebe zum Material und zum Stofflichen treu. Das manuelle Tun ist und bleibt ihre Leidenschaft. Das Handliche spiegelt sich gerade auch in den aktuellen Arbeiten und dem Einheitsformat von 50 x 45 Zentimetern. Ergänzt wird die Installation durch drei Objekte, die aus den für das Schaffen von Carmen Pfanner zentralen Werkgruppen „Kraftwerk“ und „Corps Plastique“ stammen und direkte Bezugspunkte zu den Bildkästen liefern. Ariane Grabher

Die Ausstellung ist in der Galerie Lisi Hämmerle, Anton-Schneider-Straße 4a, Bregenz, bis 20. Dezember geöffnet, Mi bis Fr 15 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 14 Uhr.