Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Karikaturist und Architekt

Kultur / 22.11.2019 • 19:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Man weiß nicht, um wen man mehr trauern soll: Um den Karikaturisten oder um den Architekten, den Schüler von Clemens Holzmeister. Gustav Peichl war beides – und er war beides mit besonderem Erfolg und in außergewöhnlicher Qualität. Diese Woche ist er im Alter von 91 Jahren verstorben. Seine Karikaturen unter dem Pseudonym Ironimus sind über Jahrzehnte in der „Presse“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen, kaum ein Politiker, der seiner scharfen Feder entgangen ist. Einige hat er geliebt, weil sie dem Zeichner ein markantes Äußeres geboten haben, Bruno Kreisky etwa, oder Alfred Sinowatz, Wolfgang Schüssel und Jörg Haider. Ganz besonders hatte er es auf Gerd Bacher, oftmaligen Generalintendanten des ORF, abgesehen, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband. Gerd Bacher war es auch, der ihm zu jenem Auftrag verhalf, der wesentlich seinen Ruhm als Architekt begründen sollte: Die Landesstudios des ORF, die völlig gleich in mehreren Bundesländern errichtet wurden.

Peichl-Torten, so wurden die runden ORF-Funkhäuser genannt. Möglich wurden diese richtungweisenden technischen Bauten nicht zuletzt durch zwei kongeniale Partner, durch den nach dem ORF-Volksbegehren ersten Generalintendanten des ORF, Gerd Bacher, und Gustav Peichl, der bereit war, auf die Ideen des Medienmenschen einzugehen. Das Funkhaus in Dornbirn – 1972 bezogen – war in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Es brachte Vorarlberg die technisch beste Rundfunkversorgung, es war das modernste Funkhaus in weitem internationalem Umfeld für ein so kleines Bundesland, und es hatte die spannendste Architektur. Wie sehr Peichls Bau zukunftsweisend war, zeigte sich, als ins gleiche Gebäude ohne wesentliche architektonische Änderung das Fernsehzeitalter einzog. Heute ist das Landesstudio des ORF in Dornbirn das einzige, das trotz Renovierung noch in originalem Zustand mit den dominanten Farben Silber und Rot zu sehen ist. Alle anderen Häuser wurden durch Umbau zerstört.

Auch international errichtete Gustav Peichl bedeutende Bauten, etwa die Bundeskunsthalle in Bonn, den Anbau des Städelmuseums ins Frankfurt, mit Podrecca und Weber den Millennium Tower in Wien oder das Karikaturenmuseum in Krems, das ihm als Karikaturist natürlich besonders wichtig war. Gustav Peichl hat einmal gemeint, er möchte „erotisch bauen und kritisch zeichnen“. Ich denke, das ist ihm vielleicht nicht durchgängig, aber doch sehr oft gelungen.

„Gustav Peichl hat einmal gemeint, er möchte „erotisch bauen und kritisch zeichnen“. Ich denke, das ist ihm doch sehr oft gelungen.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.