Verdichtungen und Überlagerungen

Kultur / 22.11.2019 • 19:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Meine Werke sind eng mit dem Verstreichen der Zeit verbunden“, sagt der italienische Künstler Ivan De Menis, dem in Hard zu begegnen ist. Hutz
„Meine Werke sind eng mit dem Verstreichen der Zeit verbunden“, sagt der italienische Künstler Ivan De Menis, dem in Hard zu begegnen ist. Hutz

Ivan De Menis hält in seiner Malerei in der Galerie Maximilian Hutz die Zeit fest.

Hard Die venezianischen Maler zeichnen sich die ganze Kunstgeschichte hindurch durch ihre Liebe zu Farben und Licht aus – wohl nicht ganz unbeeinflusst vom Eindruck weiter Wasserflächen und den besonderen Lichtverhältnissen in der Lagune. Einer, der ganz dieser Tradition verhaftet ist, an der Accademia di Belle Arti in Venedig Malerei studiert hat, und doch mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht, ist Ivan De Menis, geboren 1973 in Treviso. Nachdem einzelne Werke des Italieners am Stand der Galerie Maximilian Hutz auf der Art Bodensee bereits die Lust auf mehr geweckt haben, bringt nun die Ausstellung „Overlay“ neueste Arbeiten verschiedener Werkgruppen in die Harder Galerie.

„Overlay“ (Überlagerungen) ist die erste Einzelausstellung des Künstlers in Vorarlberg und weist im Titel schon einmal auf seine Arbeitsweise hin. In ihrem vollen, plastischen Ausmaß erschließen sich die Werke allerdings erst bei eingehender Betrachtung, vor allem auch der Seiten der Bildobjekte. Dort legen die in verschiedenen Tönen herabrinnenden Farbspuren den Schaffensprozess der in der Horizontalen entstehenden Arbeiten offen. Farbe meint bei De Menis nicht einfach Kolorit, obwohl die seidig-glänzenden, spiegelnden Oberflächen in Neongelb, Magenta oder Grün in ihrer Leuchtkraft betörend schön sind, sondern Farbe zielt vielmehr auf das Material in seiner unmittelbaren physischen Präsenz ab. Schicht um Schicht gießt der Künstler hochpigmentierte Acrylfarbe auf den in eine rahmenartige Gussform eingespannten Bildträger und baut so seine Objekte aus der Tiefe auf. Mit jeder Schicht Kunstharz gewinnt das Werk nach und nach an Volumen. Die Wahl der Farben unterliegt der Tagesverfassung und Stimmung, das Verfahren unterliegt der Zeit. Gießen, Trocknen, wieder Gießen und Trocknen, so dass unter der obersten Kunstharzschicht in den rechteckigen oder quadratischen Formaten mit den sanft gerundeten Kanten und Ecken nicht nur die Farbe eingeschlossen wird, sondern sich auch die Zeit manifestiert.

Wie Fresken aus mehreren Epochen

„Meine Werke sind eng mit dem Verstreichen der Zeit verbunden“, sagt De Menis. Seine Werkserien tragen Titel wie „Rette“, „Tessere“ oder „Tondi“. Die Großformate der Reihe „Compressione“ (Verdichtung) sind nicht von glatten, monochromen Oberflächen bestimmt, sondern von lebhaften Strukturen. Der Name beschreibt auch hier einen Teil des Produktionsverfahrens, bei dem über einen längeren Zeitraum mit Druck Styropor auf die Oberfläche gepresst wird. Beim Ablösen der Metallklammern, die alles zusammenhalten, reißt die Oberfläche teilweise auf, Farbe blättert ab, und es bleiben – typisch für diesen Herstellungsprozess – die Styroporkörnchen haften. Einige der Arbeiten sind nicht mit Epoxidharz eingeebnet, sondern im „Rohzustand“ belassen, wodurch die Struktur noch haptischer hervortritt. Im großzügig dimensionierten Galerieraum wirken diese Arbeiten, als hätte man Fresken aus mehreren Epochen in unterschiedlichen Schichten freigelegt. AG

Geöffnet in der Galerie Maximilian Hutz in Hard (In der Wirke 4) bis 21. Dezember, Do und Fr, 16 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 0043 676 3104691.