Aus der Familie von Ceija Stojka überlebten nur Wenige

Kultur / 26.11.2019 • 19:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit Hunderten von Werken verarbeitete Ceija Stojka (1933-2013) die Holocaust-Gräuel, die sie als Kind erleiden musste. Museo Reina Sofia/Reichelt
Mit Hunderten von Werken verarbeitete Ceija Stojka (1933-2013) die Holocaust-Gräuel, die sie als Kind erleiden musste. Museo Reina Sofia/Reichelt

Das weltberühmte Museo Reina Sofia würdigt das Werk der österreichischen Künstlerin.

Madrid, Wien Leuchtende Sonnenblumenfelder, idyllisches Landleben, Kinder spielen an einem See. Mit kräftig-fröhlichen Farben malte Ceija Stojka (1933-2013) ihre ersten Kindheitserinnerungen. Stojka wuchs in einer österreichischen Lovara-Roma-Familie auf. Es war ein Leben in der Natur, eine glückliche Kindheit, wie die ersten Gemälde der Madrider Ausstellung „Esto ha pasado“ (Das ist passiert) zeigen. Doch so abrupt, wie dem zehnjährigen Mädchen 1943 im KZ von den Nazis ihre Kindheit genommen wurde, so geht auch die Madrider Sonderschau zu ihren düsteren Gemälden über: Holzkarren mit leblosen Körpern, qualmende Krematorien, Stacheldraht, Tod, wie Tiere in Zugwaggons gepferchte Menschen. Ein Bild zeigt einen Arm, er ist blutrot, der Hintergrund ist pechschwarz. Auf dem Arm steht Z 6399. Die Nummer, die Stojka bei ihrer Ankunft im KZ-Auschwitz auf den Arm gebrannt wurde. Ein anderes Gemälde stellt ein weit aufgerissenes Auge dar. Es nimmt die Bildfläche ein. Die roten Äderchen im Augenweiß stellen sich als Stacheldraht heraus. An einem hängt ein Totenschädel. Daneben prangert das Hakenkreuz am qualmenden Schornstein eines Krematoriums.

In Österreich fanden fast 90 Prozent sämtlicher Betroffener im Zuge der sogenannten „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ den Tod. Von Stojkas Großfamilie überlebten nur wenige Personen. Wie viele Holocaust-Überlebende brauchte auch Ceija Stojka Jahre, um über den Hunger, die Schläge, die Angst, den Verlust der Familie und die Entmenschlichung im Konzentrationslager sprechen zu können. Sie schrieb Bücher. 1986 fing sie an, ihre traumatischen Kindheitserinnerungen auch künstlerisch aufzuarbeiten. So wie Stojka erst spät mit der künstlerischen Verarbeitung ihrer Vergangenheit begann, so kommt auch ihre internationale Würdigung sehr spät. Doch mit der Sonderschau im weltberühmten Madrider Museum wurde nun ein Anfang gemacht.

Die Sonderausstellung Ceija Stojka ist im Museum Reina Sofia in Madrid bis 23. März 2020 geöffnet.