Eine nachhaltige Ochsentour

Kultur / 28.11.2019 • 20:27 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Evelyn Fink-Mennel komponiert den Jubiläumssong und lässt sich dabei von der Flurnamenkarte inspirieren, die dem Kopf eines singenden Wesens gleiche. sams
Evelyn Fink-Mennel komponiert den Jubiläumssong und lässt sich dabei von der Flurnamenkarte inspirieren, die dem Kopf eines singenden Wesens gleiche. sams

Schwarzenberg feiert seine 750-jährige Geschichte mit einem umfangreichen, vielfältigen Programm.

Christa Dietrich

Schwarzenberg Dass die Flurnamenkarte von Schwarzenberg wie der Kopf eines Wesens aussieht, das „aus voller Kehle singt“, hat die bekannte Musikerin und Pädagogin Evelyn Fink-Mennel nicht nur davon überzeugt, dass sie als Wahlschwarzenbergerin sozusagen einen guten Entschluss fasste, das Bild dient auch der Inspiration für ein von ihr komponiertes Jubiläumslied, das man im kommenden Jahr wohl über die Bregenzerwälder Gemeinde hinaus oft hören wird: Schwarzenberg feiert nämlich seine 750-jährige Geschichte, und das mit einem umfangreichen und außergewöhnlichen Programm.

Erste urkundliche Erwähnung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, etwa Meinrad Pichler, Peter Erhart, Anneliese Nigsch und Petra Zudrell, kommen dabei auch zu Wort. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird den Dingen bzw. der Historie der Gemeinde nämlich auf den Grund gegangen. So darf man davon ausgehen, dass es in der Region bereits wesentlich länger ein Gemeinwesen gibt, aber wie so oft bei diesen Jubiläen geht es um die erste urkundliche Erwähnung bzw. das schriftlich Erfassbare, und das sieht für Schwarzenberg so aus, dass ein Pfarrer Walther im Jahr 1270 in St. Gallen vor seinem Herrn, dem dortigen Abt des Klosters, ein Geschäft bekundete und deshalb als Waltherus von Swarzinberch in der Urkunde verewigt ist, mit der es besiegelt wurde.

Ein Zehntel für Tone

Tone Fink, ein echter Schwarzenberger, kommentierte das Datum gleich humorvoll, ein Zehntel falle auf ihn. Der längst international bekannte Künstler durfte bereits heuer den 75. Geburtstag feiern und wird seine nahezu legendären Masken und Hautskulpturen in einer Prozession durch die Gemeinde schicken. Weil er es mit den Tieren hat und sich auf diesem Gebiet erst jüngst wieder einmal als exzellenter Zeichner präsentierte, sind seine Arbeiten, darunter besetzbare Installationen, vor allem vor und im Gasthaus Ochsen präsent. Als „Hornochse“ habe er sich selbst immer wieder gerne bezeichnet, meinte er via Live-Schaltung nach Wien in der von Organisatorin Judith Reichart moderierten Programmvorstellung. Wie man weiß, hatten die Schwarzenberger mitunter weit untergriffigere Zuschreibungen parat, zeitgemäße Kunst hatte man hierzulande vor Jahrzehnten noch nicht so offen akzeptiert wie es mittlerweile meistens der Fall ist. Die junge Generation ist durch Luka Jana Berchtold vertreten. Sie wollte einen Ort der Zusammenkunft schaffen und hat sich als besonderes heimeliges Objekt einen Kachelofen ausgedacht. Er wird im öffentlichen Raum errichtet und bleibt dort nach dem Jubiläumsjahr erhalten. Nachhaltigkeit ist für Thomas Mennel und Klaus Pfeifer kein ein leeres Schlagwort. Mit ihrem Team haben sie die Geschichte der handwerklichen und gewerblichen Aktivitäten im Ort erkundet. Dass der Werkraum Bregenzerwald ein Thema ist, versteht sich von selbst, in diesem Fall ist vor allem auch der Nachwuchs eingebunden: Schülerinnen und Schüler der Werkraumschule erstellen nicht nur ein Konzept für eine rund 80 Meter lange überdeckte Dorftafel, sie werden dieses auch mit Restholz und wiederverwertbarem Material Anfang Juli zu realisieren haben. Wenn die Speisen, die die örtlichen Gastronomen beisteuern nur halb so gut sind wie die Jubiläumssuppe, die Jonathan Burger, der Chefkoch vom Hirschen, mit Riebel kreierte (und die das ganze Jahr über mit wechselnden Einlagen kredenzt wird), ist das kulinarische Fest bereits gesichert.

Uwe und Angelika

Künstlerisch hat weiters Uwe Jäntsch mit einem acht Meter langen, höchst entdeckungsreichen Wandbild mitgemischt, auf dem Schwarzenberg sozusagen im Herzen von Vorarlberg liegt. Es wird das sogenannte Tanzhaus zieren, das schon vor Jahrzehnten weniger für schwungvolle Dreher als für Versammlungen bzw. als Treffpunkt zum Austausch genutzt wurde. Dass das Atelier der väterlicherseits aus Schwarzenberg stammenden Malerin Angelika Kauffmann (1741–1807) in Rom ein Ort auf der Grand Tour, das heißt der damals üblichen Bildungsreisen junger Adeliger oder betuchter Bürger war, wird im Kauffmann-Museum mit entsprechenden Arbeiten thematisiert, und das Stadtmuseum Dornbirn schließt sich mit der Frage „Wem gehört das Bödele?“ an. Spätestens bei der wechselvollen Geschichte dieses Erholungsgebietes kommt das Geld ins Spiel, ein Dornbirner Fabrikant mag die Vorsäßhütten einst gekauft haben, politisch gehört das Gebiet zur Gemeinde Schwarzenberg.

Diese hat ihr riesiges Jubiläums­programm sparsam mit 150.000 Euro budgetiert. Bürgermeister Markus Flatz bezeichnet die 750-Jahr-Feiern als ein Fest für die gesamte Region bzw. das gesamte Land. Wie die VN in Erfahrung bringen konnten, steuert die Kulturabteilung des Landes insgesamt, das heißt für die Vorbereitung, die Durchführung und spezielle Projekte, 40.000 Euro bei.

„Ich bin selbst ein Teil von Schwarzenberg und lasse in einem großen Buch blättern.“

Der Künstler Uwe Jäntsch malte einen 8,5 Meter breiten Dorfplan bzw. ein Bild der Region mit Schwarzenberg im Zentrum, das im sogenannten Tanzhaus seinen Platz bekommt. jäntsch
Der Künstler Uwe Jäntsch malte einen 8,5 Meter breiten Dorfplan bzw. ein Bild der Region mit Schwarzenberg im Zentrum, das im sogenannten Tanzhaus seinen Platz bekommt. jäntsch

Stichwort

Schwarzenberg

Das Zentrum der Gemeinde Schwarzenberg liegt auf knapp 700 Metern. Die Gemeinde hat gegenwärtig rund 1900 Einwohner. Die erste urkundliche Erwähnung kann mit dem Jahr 1270 festgelegt werden. Diese Urkunde befindet sich im Stiftsarchiv in St. Gallen. Der Pfarrer von Schwarzenberg ist in einem Protokoll als „Waltherus rector ecclesie de Swarzinberch“ als Zeuge eines Geschäfts aufgeführt. In die gleiche Zeit zu datieren ist ein Register, bei dem die Pfarre Schwarzenberg als Leihnehmerin des Klosters St. Gallen angeführt ist. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte der Ort einmal zu Bayern.