Gauguin-Schau wirft Fragen zu Kunst und Moral auf

Kultur / 28.11.2019 • 20:29 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

london Wie gehen Museen mit Künstlern um, deren Verhalten gegenüber Frauen nicht akzeptabel ist? Diese heikle Frage wird zurzeit von einer Ausstellung mit Arbeiten des französischen Malers Paul Gauguin (1848-1903) in London aufgeworfen. Die National Gallery zeigt rund 50 Werke des exzentrischen Postimpressionisten, der seinen Job als Börsenmakler in Paris aufgab und Frau und Kinder sitzen ließ, um im fernen Polynesien neue künstlerische Inspiration zu finden. Der Haken dabei ist, dass Gauguin bei seinen zwei Reisen in die damaligen französischen Kolonien auf Tahiti mindestens eine minderjährige Braut nahm und schwängerte.

Das Werbeplakat ist zugleich auch Stein des Anstoßes: Das Gemälde „Tehamana hat viele Eltern“ (1893) zeigt die minderjährige Tahitierin Tehamana, die Gauguin auf seiner ersten Reise nach Ozeanien von 1891 bis 1893 geheiratet haben soll. Er malte sie in der westlichen Kleidung der damaligen Kolonialmacht Frankreich, umgeben von einheimischen Symbolen, um damit auf seine Weise gegen die Unterdrückung der ethnischen Kultur durch Missionare zu protestieren, wird in der National Gallery erklärt. Das Museum weist an zahlreichen Stellen auf die Komplexität des Künstlers, seine Eigensucht, Unkonventionalität und ständige Identitätssuche hin und bemüht sich, sein Werk im Kontext der Zeit zu erläutern. Nach Angaben der Kunsthistorikerin Janet Marstine hat die National Gallery mit ihrer Präsentation der Gauguin-Ausstellung einen „ersten wichtigen Schritt“ unternommen. Museen würden zunehmend danach beurteilt werden, wie sie mit der ethischen Haltung der gezeigten Künstler umgehen, sagte die Expertin für Museumsethik der Kunstplattform artnet.