Von der Lyrik als Luxus

Kultur / 28.11.2019 • 20:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
David Fuchs hat im Vorjahr den Feldkircher Lyrikpreis gewonnen und bringt demnächst ein neues Buch heraus. haymon/Aichner
David Fuchs hat im Vorjahr den Feldkircher Lyrikpreis gewonnen und bringt demnächst ein neues Buch heraus. haymon/Aichner

Der Autor David Fuchs ist Oberarzt für Onkologie und Palliativmedizin.

Feldkirch Am Samstag lädt das Theater am Saumarkt zur Lyrik-Gala ein. Danach stehen die Gewinner des 17. Feldkircher Lyrikpreises fest. Mitentschieden hat der letztjährige Preisträger David Fuchs. Sein Gedicht „handbuch der pflanzenkrankheiten“ ist in erweiterter Form in der Literaturzeitschrift kolik (Nr. 79), herausgegeben von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl, erschienen. Fuchs arbeitet als Oberarzt für Onkologie und Palliativmedizin am Linzer Kepler-Universitätsklinikum. Zum Schreiben kam der 38-jährige Oberösterreicher schon in seiner Kindheit.

 

Mit Ihrem Gedicht „handbuch der pflanzenkrankheiten“ gewannen Sie im Vorjahr den Feldkircher Lyrikpreis. Was hat sich seither in Ihrem literarischen Leben getan? War der Preis auch Wegbereiter?

Fuchs Der Preis war für mich ein Ansporn, neben der Prosa auch die Lyrik noch ernsthafter zu verfolgen. Ich konnte inzwischen auch mehrere Gedichte aus dem gleichen Zyklus publizieren, jüngst in der Zeitschrift kolik.

 

Die Betonung auf „literarisches Leben“ kommt, weil Sie hauptberuflich als Arzt oder besser als Onkologe arbeiten. Wie kam es dazu, dass Sie auch Autor wurden?

Fuchs Ich schreibe schon sehr lange, deutlich länger, als ich Medizin mache. Der Entschluss, das Schreiben auch professionell zu betreiben, kam vor fünf Jahren, nachdem meine Frau das Gleiche mit ihrer Fotografie getan hat.

 

Die Gemeinsamkeit beider Berufe liegt nicht nur im Anfangsbuchstaben A, sondern . . .

Fuchs . . . in den Geschichten und Emotionen. Man begegnet in der Medizin vielen Menschen an wesentlichen Wendepunkten ihres Lebens, erlebt heftige Emotionen – positive wie negative – und hört (wenn man hinhört) wie sich Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen.

 

Wann finden Sie Zeit zum Schreiben?

Fuchs Die Zeit zum Schreiben finde ich weniger, als dass ich sie mir aktiv schaffe. Konkret ist das meist abends, wenn die Kinder schlafen, frühmorgens vor der Arbeit oder auch nach Nachtdiensten, wenn niemand im Haus ist.

 

Im Frühjahr 2020 erscheint Ihr zweiter Roman. Was ist zu erwarten?

Fuchs „Leichte Böden“ wird wieder im Haymon Verlag erscheinen. Es geht um Autonomie im Alter, Würde, Sprachlosigkeit und falsche Kindheitsidyllen, oder: Wie wir älter werden, und wie wir alten Menschen begegnen.

 

Sie sagten einmal, dass es keinen zweiten Krankenhaus-Roman mehr geben werde. Sind Sie dieser Aussage treu geblieben?

Fuchs Ja, bis auf eine einzige Szene. So gesehen bin ich der Aussage fast treu geblieben.

 

Sie sind Mitglied der Jury, die die diesjährigen Preisträger kürt. Wie erging es Ihnen bei diesem Rollenwechsel vom Schreibenden zum Bewertenden? Wo lag die größte Herausforderung?

Fuchs Zunächst war es ein großer Luxus, eine so hohe Zahl an Einsendungen lesen zu dürfen. Man bekommt ja nicht jeden Tag ein Riesenpaket Gedichte ins Haus. Es war aber auch eine verantwortungsvolle Aufgabe, weil nicht nur der künstlerische Wert zu beurteilen war, sondern, weil mir als Teilnehmer im letzten Jahr bewusst war, welche Hoffnungen sich an eine solche Einsendung knüpfen. Zwangsläufig muss man als Juror dann viele Menschen enttäuschen, darf aber dafür hoffen, einige sehr gute Lyrikerinnen und Lyriker vor den Vorgang zu holen – und das ist uns, denke ich, sehr gut gelungen. CRO

Zur Person

David Fuchs

Geboren 1981 in Linz

Beruf Autor und Arzt

Veröffentlichungen „Bevor wir verschwinden“ und „Leichte Böden“

Familie verheiratet, 2 Kinder

Die Lyrik-Gala mit der Präsentation des Feldkircher Lyrikpreises findet am 30. November, 20.30 Uhr, im Theater am Saumarkt statt.