Betonlandschaft und ­Burschenschaft

Kultur / 29.11.2019 • 19:53 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Mit der „Hermannsschlacht“ von Kleist hat der neue Direktor Martin Kusej seine erste Inszenierung im Burgtheater realisiert. APA/Burgtheater/Horn
Mit der „Hermannsschlacht“ von Kleist hat der neue Direktor Martin Kusej seine erste Inszenierung im Burgtheater realisiert. APA/Burgtheater/Horn

Wien Martin Kusej hat für das Burgtheater unter seiner Direktion Vielsprachigkeit angekündigt. In seiner ersten eigenen Inszenierung als Burgtheaterdirektor löst er das auf überraschende Weise ein: In seiner „Hermannsschlacht“ sprechen die Römer immer wieder Latein. Ein origineller, aber kein zwingender Effekt – wie so vieles an der Aufführung, die bei der Premiere nicht vollends überzeugte. Das Stärkste an der knapp drei Stunden langen Aufführung ist Martin Zehetgrubers Bühnen-Setzung. Massive Wellenbrecher aus Beton prägen die Spielfläche. Nicht nur Böhmen liegt am Meer, sondern auch Germanien – beziehungsweise was dazu wird. Denn Heinrich von Kleists 1809 als Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon geschriebenes Stück zeigt die Einigung der 15 Germanenstämme im Kampf gegen die Römer. Kusej macht aus der finalen Siegesfeier ein Burschenschaftertreffen mit Heil-Rufen für den neuen Führer Hermann. Ein klares Abschlussbild für eine Inszenierung, die allzu lange keine klare Linie findet.

Kusej mischt die Zeiten, lässt mit Pfeil und Bogen, Schwertern und Gewehren kämpfen. Es ist eine sehr statische, sehr dunkle, sehr leise Aufführung. Markus Scheumann ist ein schmaler Schlachtenlenker, der seine Stimme selten erhebt. Kein Charismatiker, sondern ein aasiger Machtpolitiker, der auf List und Tücke setzt, jene Gräueltaten, die ihm politisch nützen würden, selbst herbeiführt, die Koalitionen wechselt, wie er es braucht, Freunden kalt lächelnd den Stahl in die Brust rammt und seine Frau den Feind umgarnen lässt. ORF III überträgt die Vorstellung am 1. Dezember.