Simone Grohs schreibt über Möglichkeiten und Wirklichkeiten im Montafon

Kultur / 29.11.2019 • 22:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabine Grohs hat mit dem Roman „Außer Haus“ ihr Heimweh kompensiert. M. Bischof
Sabine Grohs hat mit dem Roman „Außer Haus“ ihr Heimweh kompensiert. M. Bischof

BLUDENZ Das Montafon als Sehnsuchtsort und Heimat steht zentral in dem vor Kurzem erschienenen Roman von Sabine Grohs. Aufgewachsen in Bludenz, verbrachte die Autorin in ihrer Kindheit viel Zeit in Tschagguns bei den Großeltern. Nach ihrem Studium der Publizistik in Wien verlagerte sie auch ihren Lebensmittelpunkt in die Großstadt. Bei einem Spaziergang im Wienerwald entdeckte sie ein altes Haus, das sie an die typischen Montafoner Bürgervillen erinnerte. „Über den Bau dieses Hauses bekam ich eine faszinierende Geschichte zu hören: Ein reicher Bahnbeamter aus Wien habe sich Anfang des letzten Jahrhunderts bei einem Urlaub im Montafon für genau dieses Haus begeistert, es abtragen, nach Wien transportieren und eben im Wienerwald wieder aufbauen lassen. Diese Version der Geschichte wurde allerdings später widerlegt. Das Haus wurde von einem Münchner Architekten geplant und mithilfe von Montafoner Baumeistern gebaut“, erinnert sie sich.

Dennoch war diese Geschichte der Anlass, mit dem Schreiben eines Buchs zu beginnen. „Ich habe mit dem Schreiben mein Heimweh nach dem Montafon kompensiert“, erläutert die Autorin. Es entstand eine fiktive Familiengeschichte, die sich über sechs Generationen erstreckt und in einem Zeitraum von 200 Jahren spielt. Haupterzählort ist das Montafon, es finden sich aber auch Nebenschauplätze in Wien, Paris und im Ort Zogenweiler im Allgäu. Erzählt wird immer aus der Sicht und der jeweiligen Zeit eines der Protagonisten der Familie Widerin, dessen Lebensumstände recht plastisch geschildert werden, während sich das Haus als Leitmotiv durch alle Geschicht(en) zieht. Eigentlich sind es Kurzgeschichten, die jeweils für sich stehen könnten. Die Chronologie ist linear, verläuft aber immer im Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So ist das erste Kapitel der Ahna Marianna im Jahr 1898 gewidmet, sie ist auf dem Heimweg von einem Markt in Bludenz nach Hause ins Montafon – zu Fuß und zieht dabei einen Holzkarren. Der Weg ist beschwerlich, doch sie hält immer wieder inne und denkt nach, wie etwa über den Neubau des Friedhofs in Bludenz oder  den Bau der Montafonerbahn.

Historische Ereignisse

Der Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, ist eine vielleicht ein wenig zu vorhersehbare Liebesgeschichte. Die Erzählerin Victoria Widerin, geboren 1975 in Wien, lernt Laurent Dijan kennen, der sich aber ebenfalls als ein Nachkomme aus der weitläufigen Verwandtschaft der Widerins herausstellt. Aber auch in diesen Erzählungen kommt dem Montafon ein entscheidender Faktor zu, indem beispielsweise ein Handlungsverlauf auf einem Maisäß stattfindet. „Recht ausführlich werden historische Ereignisse von mir wiedergegeben, die Leser können somit viel über den Bau des ersten Kraftwerks im Montafon, den Eisenbahnbau, die Erschließung des ersten Skigebiets, das Aufkommen des Tourismus aber auch über Naturkatastrophen und deren verheerenden Folgen für die Bewohner erfahren. Ich habe sehr ausführlich die historischen Quellen hierzu studiert“, betont Sabine Grohs. Sehr berührend sind auch die Schilderungen des Otto Burger, der als Kind im Schwabenland arbeiten musste. Viele Eckdaten sind ihrer Familiengeschichte entlehnt, die Erzählungen dazu allerdings fiktiv.  Wie die Geschichte des Hauses im Wienerwald – wenn diese nicht der Wirklichkeit entspricht, dann gestalte sie sich eben ihre eigene, wie Sabine Grohs betont. Denn Literatur sei immer eine Form von Suggestion und realisierter Fantasie. BI