Singende Kinder unter sich

Kultur / 29.11.2019 • 19:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ich muss vorausschicken: Ich bin kein Freund von Knabenchören, egal, ob das die Sängerknaben aus Wien, aus Bad Tölz, aus Regensburg oder von sonst woher sind. Die hohen, noch nicht vom Stimmbruch gezeichneten Stimmen, die nicht kindergerechten, fast dressierten Auftritte sind mir so weit von Kindern entfernt, dass ich mir da als Zuhörer schwer tue. Auch der Klang, der bei all diesen Chören gleich ist, natürlich auch die zur Verfügung stehende musikalische Auswahl, sind nicht wirklich mein Geschmack. Allerdings muss ich auch gleich korrigieren: Am Donnerstag habe ich einen Auftritt des Haydnchores der Wiener Sängerknaben erlebt, der all meine Vorurteile Lügen strafte.

Um zehn Uhr am Vormittag versammelten sich im Turnsaal der Volksschule Augasse in Bregenz einige Hundert Schülerinnen und Schüler, die sich jede Woche mehrmals im Superarchor der Volksschulen aus Altach und Bregenz gemeinsam mit der Musikschule Bregenz treffen, um zu singen. Damit soll dem vom Lehrplan her höchst stiefmütterlich behandelten Singen im Unterricht (dieses Manko gilt übrigens auch für die anderen musischen Fächer) etwas entgegengesetzt werden. Die jungen Sängerinnen und Sänger haben schon mehrere große Auftritte, unter anderem im Festspielhaus, hinter sich. Diesmal allerdings kam es zu einer besonderen Begegnung. Unter heftigem Applaus der Kinder zogen etwa dreißig Mitglieder der Wiener Sängerknaben in den Saal, stellten sich auf und sangen für die Kinder. Sie standen also auf keiner großen Bühne, sie hatten kein großes öffentliches, aber dafür ein besonders Publikum: Kinder, die selbst singen. So kam es zu geradezu berührenden Wechselgesängen: Die Sängerknaben sangen für die Kinder, die Kinder sangen für die Sängerknaben und natürlich sangen sie auch gemeinsam.

Es war wirklich ein besonders Konzert. Denn weil es kein Publikum außer den selbst singenden Kindern gab, kam es zu Begegnungen, die bei einem üblichen Konzert nicht möglich wären. Man konnte förmlich greifen, wie sehr die Superarchörler die genauen Einsätze und die Sangeskunst der Sängerknaben bewunderten, man konnte aber auch sehen, wie beim gemeinsamen Lied keine Distanz zwischen den Profis und den Laien war. Sie waren einfach Kinder, die gerne singen, unter sich. Für diese Möglichkeit darf man sich auch bei der Hilti Foundation, die Superar unterstützt, bedanken. Das ist sinnvollste Förderung.

„Die Sängerknaben sangen für die Kinder, die Kinder sangen für die Sängerknaben und natürlich sangen sie auch gemeinsam.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.