Südtirol ist als Krimigegend ein Dauerbrenner

Kultur / 29.11.2019 • 17:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eiskalte HölleIlaria Tuti, Penguin415 Seiten

Eiskalte Hölle

Ilaria Tuti, Penguin

415 Seiten

Die winterlichen Berglandschaften sind unberechenbar und haben das Böse gepachtet.

Romane Kurt Lanthaler machte in den 1980er-Jahren mit seinen Tschonnie-Tschenett-Krimis den Anfang: Ein rüder Lkw-Fahrer wird immer wieder in Fälle hineingezogen. Lanthaler, geb. 1960 in Bozen, schrieb eine Art sozialkritischen Roadmovie, das sich gleichsam auf der Brenner-Autobahn und in den umliegenden Dörfern abspielt. Der zweisprachige Autor leistete etwa mit „Der Tote im Fels“ oder  „Grobes Foul“ Pionierarbeit.

Die neue Welle

Seit einigen Jahren werden die italienischen bzw. die Südtiroler Alpen literarisch wiederentdeckt. Italienische Krimis spielen weniger in den urbanen Zentren, sondern in der winterlichen Berglandschaft, wo auf die Protagonisten meist Gewalttäter warten, die einen starken Hang zur Natur aufweisen. Empfehlenswert sind „Das Böse, es bleibt“ von Luca D’Andrea, oder „Die Kälte des Todes“ von Antonio Manzini. Mit „Eiskalte Hölle“ ist nun Ilaria Tuti an der Reihe. Unschwer zu erraten, geht es wieder um einen schrägen Vogel, der am Rande eines kleinen Bergdorfs sein Unwesen treibt.

Es beginnt mit einem Ritualmord. Um das Mordopfer herum, einen Ingenieur, der ein Tourismus-Projekt leiten sollte, wurden Tierfallen aufgestellt, die dazu dienten, dass der reichlich verzierte Tote nicht von Wildtieren angeknabbert wird. Alles deutet auf einen Naturfreak hin, der die Bergwelt vor einem landschaftlichen Eingriff schützen will. Teresa und Massimo müssen ermitteln. Massimo wurde von der Stadt ins Gebirge versetzt, hat von Anbeginn an den Ruf eines Tollpatschs, die rüstige Teresa leidet von Zeit zu Zeit an psychischen Aussetzern. Dazu kommt noch eine Klosterschule, in der weltliche Strömungen an Einfluss gewinnen.

Da wurden von der Autorin ziemlich viele Fässer gleichzeitig geöffnet, tatsächlich dauert es über 400 Seiten, bis die Aufgaben abgearbeitet wurden. Dass die Autorin Gefallen an ausgeschmückter Literatur findet, ist Geschmackssache, im nächsten Roman könnte man sich etwas weniger Stoff, jedoch etwas mehr Tiefe wünschen. Die italienische Bergwelt wird aber auf alle Fälle auch in Zukunft ein Thema bleiben, Luca D’Andrea legt mit „Der Wanderer“ bereits nach. Die guten Anlagen als Drehbuchschreiber kommen beim Thriller „No Exit“ des amerikanischen Regisseurs und Autors Taylor Adams zum Tragen.

Alle Register gezogen

Es gibt eine verschneite Autobahn, einen Schneesturm, ein Schutzhaus, einige Personen, die die nächsten Stunden ausharren müssen, bis die Schneeräumung anläuft. Im Übrigen sind alle Verbindungen nach außen abgebrochen. Eher zufällig entdeckt eine der Schutzsuchenden in einem der parkenden Autos ein geknebeltes Kind. Die Aufgabenstellung ist klar: Wer unter den Wartenden hat das Kind entführt?

Taylor Adams zieht alle Register und führt die Leser auf die falsche Fährte, holt sie dann aber wieder zurück. Es ist beeindruckend, wie er es möglich macht, auf so engem Raum immer wieder für neue Spannungsebenen zu sorgen.

No ExitTaylor Adams, Heyne413 Seiten

No Exit

Taylor Adams, Heyne

413 Seiten