Wie der Skihase in die Arlbergregion kam

Kultur / 29.11.2019 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In der Tourismuswerbung fand man mitunter pragmatische und damit bezeichnende Lösungen.

Schwarzach Es gibt weltpolitische Ereignisse, die eine Landkarte komplett verändern, nach denen neue Grenzen gezogen werden. Österreich war, wie man weiß, im 20. Jahrhundert mehrmals davon betroffen. Abgesehen von den dramatischen und erschütternden Schicksalen, ist auf alltäglicher Ebene zu beobachten, wie Menschen zu pragmatischen Lösungen neigen. Ein kleiner Aufkleber oder eine französische Bezeichnung für Deutschland, die mit einem fast schon lieblichen Muster unkenntlich gemacht wurde, können somit auf große Veränderungen verweisen, die die Menschen im Alltag irgendwie, aber auf jeden Fall aufschlussreich bewältigen. Dessen ungeachtet sickert hier anhand der angeführten Beispiele auch der Begriff Verdrängung durch.

Sommerfrische und Skilauf

Auch in der schwierigen Zwischenkriegszeit sowie nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und in den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg war der Tourismus in Vorarlberg ein wichtiger Wirtschaftszweig. In den Bregenzerwald kamen Gäste zur Sommerfrische und zum Skilauf, in der Arlbergregion hat der Bau der Flexenstraße bereits kurz vor der Jahrhundertwende zu wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Veränderungen geführt, sprich: Der Skitourismus hielt nach und nach Einzug. Schon im Jahr 1906 soll der Ski-Pionier Viktor Sohm Kurse angeboten haben.

Aus dieser Zeit stammen Sammlerobjekte und -dokumente, die sich in privatem Besitz befinden und die der aus Vorarlberg stammende und nun in Wien ansässige Kunstexperte und Ausstellungskurator Tobias G. Natter im Rahmen seiner Tätigkeit als Begutachter im Gespräch mit den VN als Fundstücke ausweist. Solche Fundstücke aus Vorarlberg, die von den VN nun in lockerer Reihenfolge gezeigt werden, reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück.

Trotz ihrer Kleinheit und einfachen Machart haben etwa zwei Prospektfolder aus dem Bregenzerwald viel zu erzählen. Den Besuchern wurden damit Berherbergungs- und Verköstigungsbetriebe sowie Veranstaltungen aufgelistet. Die politischen Ereignisse hätten an sich zu Neudrucken führen müssen, aber darauf wurde verzichtet und so darf man sich heute damit auseinandersetzen, dass Klebstoff und Papier im Alltag genügt hatten, um den Begriff „Österreich“ zum „Deutschen Reich“ zu verwandeln oder aus der „Ostmark“ dann wieder ein Österreich zu machen.

In Zürs trachtete man auch während des Krieges danach, internationale Touristen, also beispielsweise Sportbegeisterte aus Frankreich anzulocken. Schon in den späten 1930er-Jahren gab es im Ort etwa 500 Gästebetten, die Skipisten waren präpariert und Lifte, etwa einer der ersten Schlepplifte in Österreich, waren vorhanden. Aus den 1940er-Jahren stammt ein Tourismusprospekt, dessen Gestaltung äußerst modern anmutet. Das Motiv würde man eher den 1950er-Jahren zuordnen als sich Zürs und Lech nach und nach zu Nobelskiorten mauserten, stapft doch ein witziger Skihase auf den Ort zu, der von einer dicken Sonne beleuchtet wird.

Ein Werbeprospekt aus den 1940er-Jahren trägt witzig moderne Züge, Orts- und Landesbezeichnungen wurden einfach überklebt oder übermalt. Privatbesitz, Jana Sabo
Ein Werbeprospekt aus den 1940er-Jahren trägt witzig moderne Züge, Orts- und Landesbezeichnungen wurden einfach überklebt oder übermalt. Privatbesitz, Jana Sabo