Laufender Rollmops machte preisverdächtig satt

Kultur / 01.12.2019 • 18:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Preisträger Lars-Arvid Brischke trägt seine „Totentänze“ vor. cro
Preisträger Lars-Arvid Brischke trägt seine „Totentänze“ vor. cro

Der 17. Feldkircher Lyrikpreis ging an Lars-Arvid Brischke.

Feldkirch Lars-Arvid Brischke heißt der diesjährige Lyrikpreisträger, und er ist in der Poeten-Szene kein Unbekannter. Seine Texte erscheinen in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien, er ist Mitbegründer der Lyrikgruppe „Die Freuden des jungen Konverters“ und er legte mit „eine leichte acht“ bereits einen Debütband vor. „Als nach der Jurysitzung die Namen zu den Anonyma bekannt gegeben wurden, erinnerte ich mich sofort, dass ich unseren Gewinner schon 2003 bemerkenswert fand“, begründet Juror Andreas Schumann in seiner Laudatio und benennt Brischkes Beitrag in der damaligen Anthologie „Lyrik von Jetzt“. Dass der 47-jährige Deutsche erst jetzt – er sandte bereits mehrfach Beiträge nach Feldkirch – zum Preisträger gekürt wurde, liegt vermutlich daran, dass ihm das diesjährige Motto „früher oder später tritt der Tod ein“ gut zusprach. Der Berliner hat sich den literarischen Totentänzen verschrieben und nennt ein Zitat von Oskar Pastior zum Titel Totentanz O.P. Düster? Nein, so kann man seine Lyrik nicht beschreiben. Vielmehr lautmalerisch, wortbildungsverdreht, süffisant und absolut vergnüglich. „Energiesysteme“, wie Schumann sie noch benennt. Dass Brischke als promovierter Spezialist am Institut für Energie- und Umweltforschung tätig ist, ist aus diesem Blickwinkel absolut naheliegend. Und er verpasst dem Lyrikpreis im Sinne der Nachhaltigkeit ein Motto, das in seiner 18. Auflage neue sprachliche Möglichkeiten ausloten lässt.

Literarische Fußabdrücke

Die Jury, zu der auch Marie-Rose Rodewald-Cerha, Patricia Brooks und der Vorjahrespreisträger David Fuchs zählen, gratulierte, während Wirtschaftsstadtrat Benedikt König den Scheck über 3000 Euro überreichte. Der zweite Preis ging an Joseph Felix Ernst, der dritte an Norbert Kröll. Beide haben literarische Fußabdrücke in der Lyrikwelt hinterlassen. Ernst ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Seitenstechen, Kröll wird neben Gedichten mit einem weiteren Roman „Wer wir wären“ im Frühjahr 2020 von sich reden machen.

Alle Preisträger-Gedichte sowie eine weitere, von der Jury festgelegte Auswahl erscheinen in der Anthologie zum Feldkircher Lyrikpreis, herausgegeben von Erika Kronabitter. Dass das bei der Edition Art Science publizierte Buch nicht wie üblich bei der Verleihung präsentiert werden konnte, lag, wie es Moderator Gerhard Ruiss von IG Autorinnen Autoren formulierte, am Versagen der Post. Gefeiert wurde im Anschluss dafür umso ausgiebiger bei Brötchen-Buffet, Kuchen und bester Stimmung. Hätte Sabine Benzer vom Theater am Saumarkt zu Brischkes Lyrik passend Fleisch vom laufenden Rollmops ohne Gefühl serviert, wäre aus der Party wohl eher ein Totentanz geworden. Dieser „Gaumenkitzel“ macht nämlich nur im poetischen Sprachspiel satt. CRO