Überhaupt keine Peanuts

Kultur / 04.12.2019 • 19:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Barbara Bühler ist mit zwei Aufnahmen aus der Natur vertreten.
Barbara Bühler ist mit zwei Aufnahmen aus der Natur vertreten.

Zeitgenössische Kunst aus Liechtenstein ist im QuadrART Dornbirn im Erzählfluss.

DORNBIRN Zum fünfunddreißigsten und vorläufig letzten Mal heißt es im QuadrART Dornbirn „Ansichten“. Gastkuratorin zum Abschluss der 2009 begonnenen Ausstellungsreihe ist Dagmar Streckel, die den Fokus auf die zeitgenössische narrative Kunstproduktion in Liechtenstein lenkt, bevor ab Herbst 2020 unter dem Titel „Auf Einladung“ eine neue Sequenz beginnt, die sich verstärkt dem heimischen Kunstschaffen widmet.

„Inform“

Aktuell regieren aber noch die „Ansichten“ in Dornbirn und die Kunsthistorikerin Dagmar Streckel hat, dem Prinzip der Reihe verpflichtet, eine Arbeit des deutschen Künstlers Franz Erhard Walther als Ausgangspunkt aus der hauseigenen Sammlung gewählt. Um dessen kleinformatige Zeichnung “Im Raum gehört gesehen“ (1985) arrangiert sie die Werke von sieben zeitgenössischen Liechtensteiner Kunstschaffenden.

„Inform“, so der Titel, reagiert auf die Rückkehr des Erzählerischen in der Kunst der Gegenwart, nachdem die Moderne in ihrer Reduktion und Abstraktion das Narrative weitgehend getilgt hat. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Walther und inhaltlich verwandt, sind die bunten oder schwarzweißen, akribisch gearbeiteten und mit kleinteiligen Details gefüllten Zeichnungen (u. a. das Blatt „Hineinsehen Heraushören“) von Matthias Frick. Der 2017 im Alter von 53 Jahren verstorbene Künstler gilt als Vertreter der Art brut. In eine eigene Bildwelt entführt auch die in Kirchen in Mexiko aufgenommene fotografische Reihe „Wunder“ von Martin Walch (1960). Den drastischen Bildern vom Leiden Jesu stellt er seine filigranen hölzernen Wünschelruten zur Seite.

Ähnlich wie Walch, vielleicht noch eine Spur subtiler, spielt auch Barbara Bühler (1968) mit dem Betrachterstandpunkt. In Dornbirn ist die für ihre Architekturfotografien bekannte Künstlerin mit zwei Aufnahmen aus der Natur vertreten. „Wald I“ und „Wald II“ zeigen ein und dasselbe Motiv, ein grünes Waldstück, in dem rotes Laub einen starken Farbakzent setzt, aber zeitlich und räumlich versetzt aufgenommen. Ungleich persönlicher ist der Hintergrund für die Zeichnungen von Anna Hilti (1980), die die imaginierten Spuren ihres in Amerika verschwundenen Ururgroßvaters nachzeichnet. Manfred Naeschers (1973) Videoarbeit „Der wiederkehrende Spiegel“ dagegen ist ein Zitat und eine Interpretation eines Textes des Liechtensteiner Pädagogen, Historikers und Politikers Peter Kaiser, der im 19. Jahrhundert für die Vermittlung von Wissen und das Animieren zu eigenem Denken eintrat.

Keine Nuss wie die andere

Auch keine short stories sind die Arbeiten im Untergeschoss. Sunhild Wollwage (1938), die Grande Dame der Liechtensteiner Kunstszene, arbeitet sich in der gleichnamigen, berührenden Installation von 2010 an den „Ab- und Zufällen“ eines ganzen Jahres ab. Konstanten, Abweichungen in der Gleichförmigkeit der Wiederholung und Veränderungen im Alltäglichen sind das Thema auf den Karten, die neben dem fotografisch dokumentierten Bioabfall auch die Blutdruckwerte und den Puls festhalten sowie das täglich in der Bürste zurückbleibende kleine Haarbüschel und ein einzelnes Haar als Frottage.

Keineswegs „Peanuts“ ist das Ensemble von Evelyne Bermann (1950). In verschiedenen Medien und Materialien, wie zum Beispiel Ton, Zement, Papier, Fotoprint oder Tusche nähert sich die Künstlerin dem genetisch vorgegebenen, aber nie identischen Bauplan der Erdnuss.

Matthias Frick zeigt Zeichnungen mit kleinteiligen Details.

Matthias Frick zeigt Zeichnungen mit kleinteiligen Details.

Evelyne Bermann nähert sich in verschiedenen Medien und Materialien dem genetisch vorgegebenen, aber nie identischen Bauplan der Erdnuss. ag
Evelyne Bermann nähert sich in verschiedenen Medien und Materialien dem genetisch vorgegebenen, aber nie identischen Bauplan der Erdnuss. ag

Die Ausstellung ist bis 19. Januar 2020 jeweils Do, Fr und Sa von 17 bis 19 Uhr geöffnet., von 20. Januar bis 19. Februar nach Vereinbarung 05572/909958.