Klein, kleiner, feiner

Kultur / 06.12.2019 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Weihnachtsausstellung von KunstVorarlberg trotzt dem Hang zum Großen.

FELDKIRCH Dieses Weihnachten wird nicht geklotzt, man übt sich stattdessen bei KunstVorarlberg in aller Bescheidenheit. Zumindest was die zur Gruppenausstellung in der Villa Claudia in Feldkirch zugelassenen Formate anbelangt. Was hingegen Schaffenslust, Qualität, Konzept, Humor und Ausführung der „Kleinen Formate“ betrifft, schöpfen die beteiligten Kunstschaffenden aus dem Vollen.

Maximal 25 x 25 Zentimeter lautete die restriktive Vorgabe, die May-Britt Nyberg Chromy, KunstVorarlberg-Mitglied und Kuratorin der Schau, dem Hang zum Großen entgegensetzt. 22 Künstler und Künstlerinnen haben sich darauf eingelassen und würdigen dem Kleinformat. Und siehe da, small ist nicht nur beautiful, sondern auch flexibel, fordert manchmal intime Nähe ein und manchmal auch ein neues, großes und großzügiges Denken. Neue, ebenso kluge wie witzige Wege in Sachen „Reste-Verwertung“ sind gleich mehrere Künstler gegangen: Melanie Berlinger, die für ihr akkurates grafisches Schaffen bekannt ist, überarbeitet Ausschnitte von Probedrucken mit Blattgold und Aquarell, und auch Edgar Leissing tritt mit Aktskizzen an, die er vor dem Papierkorb gerettet hat, weil ein Partien davon doch zu gut geraten ist, um sie wegzuwerfen.

Süßigkeiten

Abstrakte Malerei und ein damit aufgebrauchter Restposten Leinwand kommen von Egmont Hartwig, Cornelia Blum-Satler hat für die Serie „Zwischen den Stühlen“ die in einer Mappe gesammelten verschiedenen Papiersorten und Zeichnungen verarbeitet. Hauchzartes Rosa, als durch Farben und Düfte ausgelöste Erinnerungen bei Roswitha Buhmann, ebenso fragil wie diese Hilda Keeminks aus Draht geformten Flaschen und Gläser als Raumzeichnungen. Süß sind nicht nur die Jung und Alt erfreuenden „Mausbären“ von Cäcilia Falk, süß war auch der Inhalt des Kartons (Mozarttaler), aus dem Alois Galehr einen quadratisch, praktisch, guten „FarbTaschenWürfel“ gefertigt hat. Mit echtem Material, nämlich verschiedenen Sandarten vom Mittelmeer, malt Ursula Dorigo, während Markus Grabher in dem beim Arbeiten abfallenden Gipsklümpchen Gesichter und Fratzen sieht und sie auf winzigen Sockeln zum Kunstwerk erhebt. Handfestes Material und vielleicht gar ein politisches Statement? Der „Pflaschtrschtuo“ von Hanno Metzler ist in bester Gesellschaft, denn auch Franziska Stiegholzer zeigt Granitwürfel, in Gips gegossen.

Wiesenstück

Dorothea Rosenstocks „Papiergewächse“ entstehen in alter Knüpftechnik und am Webstuhl und erinnern an wuchernde Wiesenstücke. Lisa Althaus‘ Zeichnungen entstehen spontan, aus Zusammensetzungen, und erzählen in einem Bild Geschichten wie jene von Fräulein Eulenspiegel. „Brainy Dotties“ heißen die Minia-Tierchen des Keramikkünstlers Ewald Hotz. Schwarzweiß, eine Mischung aus Hund, Reptil und sonst noch etwas, sind die frechen Vierbeiner kaum zu bändigen – einer hebt gar sein Bein an der goldenen Hirnskulptur. Mit Keramik beschäftigt sich neu auch May-Britt Nyberg Chromy. Die aus Dänemark stammende Künstlerin zeigt zwei Möwen, die nicht nur Hommage an ihre Heimat, sondern zugleich Behältnis für Salz- und Pfeffer sind.

Weiteres Kleines, als Regenbogenbuntes, Zeichnerisches, Sprachliches, Mini-Ikonenartiges, Herbstliches und Bildwirksames stammt von Bettina Bohne, Harald Gmeiner, Guntram König, Renate Ludescher, Wolfgang Schwarzmann und Georg Vith.

Die Ausstellung ist in der Villa Claudia, Bahnhofstraße 6, Feldkirch, bis 22. Dezember geöffnet, Fr 16 bis 18, Sa 15 bis 18, So 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr.