Teuflisch verwirrend

Kultur / 06.12.2019 • 18:10 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Eine Geschichte, die wie eine böse Variante von „1001 Nacht“ aufgebaut ist.

Thriller Sebastian Fitzek ist eine Art Seelenfänger. Mit Einstiegssätzen wie „Er war nackt und wurde in zwei Hälften zerteilt“ spricht der deutsche Erfolgsautor einmal mehr Instinkte an, die nicht unbedingt zu den besten der Menschheit gehören: Neugier und Lust an Grausamkeit. Und genau die füttert er in seinem neuen Roman „Das Geschenk“ mit Methode.

Nun ja, die Schilderung einer grausamen Vergewaltigung eines Häftlings im Männerknast beweist einmal mehr, dass Abscheu und ein gewisses lustvolles Interesse beim passiven Erleben miteinander verbunden sind, denn spätestens jetzt hat Fitzek seine Leser gepackt. Jedenfalls und höchstwahrscheinlich sehr viele. Und dann erzählt der Psycho-Thriller-Spezialist eine Geschichte, die wie eine böse Variante von „1001 Nacht“ aufgebaut ist: Um weiterer Quälerei durch seine Mitgefangenen zu entgehen, berichtet das Opfer in aller Ausführlichkeit und aus verschiedenen Perspektiven, wie es zu seiner Inhaftierung gekommen ist.

Wendungen und Überraschungen

Wie immer bei Fitzek werden sich auch an diesem Buch die Geister scheiden. Spannend ist es allemal. Und eingefleischte Fitzek-Fans werden angesichts der unzähligen Wendungen und Überraschungen begeistert sein.

Ein Geschenk ist „Das Geschenk“ aber eher nicht, sondern eine unglaubliche Mixtur aus Absurditäten und Grausamkeiten. Fitzeks Begründung für die Abartigkeit einiger seiner psychopathischen Protagonisten anhand ausgewählter psychologischer und anthropologischer Aussagen, die er seinem „Geschenk“ voranstellt, macht dies nicht wett.

Das Geschenk, Sebastian Fitzek, Droemer Verlag, 368 Seiten