„Hänsel und Gretel“: Ein echtes Familienstück

Kultur / 08.12.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Erzähler wie George Nussbaumer und fünf Musiker wie jene von Sonus Brass machen Kinder wie Erwachsene mit einem Märchen glücklich. Sonus Brass
Ein Erzähler wie George Nussbaumer und fünf Musiker wie jene von Sonus Brass machen Kinder wie Erwachsene mit einem Märchen glücklich. Sonus Brass

Ensemble Sonus Brass und George Nussbaumer realisieren eine großartige Version von „Hänsel und Gretel“.

Christa Dietrich

Dornbirn Die Partitur enthält Liedfragmente und Volkslieder wie „Ein Männlein steht im Walde“, die zum Mitsingen animieren, die Geschichte selbst, angelehnt an das von den Gebrüdern Grimm aufgezeichnete Märchen, ist so reizvoll wie düster. Kurz vor Weihnachten des Jahren 1893 uraufgeführt, ist „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck zur Familienoper schlechthin avanciert. Gute Regisseure sahen es dabei als Herausforderung, das Liebliche wie das Grausame entsprechend zu berücksichtigen.

Das gelingt auf besondere Weise Salome Im Hof, die nun eine Produktion des Vorarlberger Ensembles Sonus Brass nach einem Konzept von Stefan Dünser arrangiert hat, die als musikalisches Märchen für einen Erzähler und fünf Musiker das Repertoire des Ensembles, das etwa mit der Produktion „Blecharbeiter“ oder „Verblecherbande“ international Erfolge feierte, ergänzt. Stefan Dünser und Attila Krako (Trompete) sowie Zoltan Horb (Horn), Jan Ströhle (Posaune) und Harald Schele (Tuba) sind zugleich Schauspieler und Interpreten, haben, ähnlich wie das beim preisgekrönten Ensemble Die Schurken der Fall ist, in dem Stefan Dünser ebenso mitwirkt, auch zu agieren. Der Primus ist nicht ein Instrumentalist, sondern selbstverständlich der Erzähler, den George Nussbaumer bestimmend, aber berührend als empathisch Mitfühlender anlegt, der die Geschichte von den im Wald ausgesetzten Kindern, die dort der bösen Hexe begegnen, mit viel Dynamik sowie tollen Sprachfärbungen darbietet und gleichsam kommentiert. Interaktionen sind geschickt eingebaut. So wird etwa die Angst tapfer gemeinsam weggesungen. Nachdem sich der blinde Musiker schon zwischendrin sicher sein konnte, dass er jedes Kind erreicht hatte, gibt es zum Finale der Premiere im Dornbirner Kulturhaus, wenn Hänsel und Gretel wieder bei ihrem Vater zu Hause sind und die Armut ein Ende hat, ein kleines jazzig-bluesiges Happening, das den Heimweg beschwingt antreten lässt.

Besondere Stimmung

Zu den musikalischen Feinheiten dieser knapp einstündigen Produktion, für die man sich bei Humperdinck nur entsprechend professionell bedient hat, zählt die Hinzunahme einiger Takte von Werner Pirchner und John Cheetham, die dem Gesamtklang zwischendrin Fetziges verleihen und ungemein Stimmung erzeugen.  Der Text folgt weniger dem Libretto von Adelheid Wette als der Grimmschen Vorlage, mit dem kauzig-witzigen Schluss von der Maus, den George Nussbaumer bereits groovig untermauert, denn diese Version von „Hänsel und Gretel“ soll ja ein echtes Familienstück für Kinder und Erwachsene sein. Sie ist es und hat eine derart hohe Qualität, dass man sie am liebsten gleich noch einmal miterleben möchte. Aber es gibt ja noch weitere Märchen und Sonus Brass und George Nussbaumer gehen die Ideen sicher nicht aus.


Weitere Aufführungen von „Hänsel und Gretel“ am 10. Dezember, 14.30 Uhr, im Reichshofsaal Lustenau, am 15. Dezember, 11 Uhr, in der Remise Bludenz, am 21. Dezember, 15 Uhr, im Vereinshaus Götzis, am 19. Jänner 2020, 16 Uhr im Bezeggsaal in Bezau sowie Schulvorstellungen: sonusbrass.com